Ärzte Zeitung, 12.12.2011

Selektivverträge: Neuer Streit um die IT-Schnittstelle

Nachdem die Telematik-ARGE sich bislang mit Kritik im Streit um die Standard-Schnittstelle zurückhielt, macht sie jetzt gegen die HÄVG mobil.

SAARBRÜCKEN (kud) Der Streit um die Standard-IT-Schnittstelle für Selektivverträge hat an Schärfe weiter zugenommen.

Die KV-Telematik-Arbeitsgemeinschaft (KV-Telematik-ARGE) wirft dabei der Hausärztlichen Vertragsgemeinschaft (HÄVG) vor, sie versuche "mit polemischen Halbwahrheiten und unter Verschweigen der tatsächlichen Gegebenheiten" Delegierte in den KV-Vertreterversammlungen zu instrumentalisieren.

Ob ein für Dienstag anberaumtes Arbeitstreffen die verhärteten Fronten aufweichen kann, erscheint fraglich.

In den letzten Tagen erhielten die KVen Post aus dem Saarland. Anlass für das Schreiben des Vorsitzenden der Telematik-ARGE, Dr. Gunter Hauptmann, sind Entscheidungen der Vertreterversammlungen in Bayern und Hessen.

Online-Anbindung abgelehnt

Die KV Bayerns habe die Gelder für die ARGE gestoppt, und in Hessen sei der Beitritt mit dem Hinweis abgelehnt worden, die ARGE würde federführend die Weiterentwicklung und Einführung der neuen Gesundheitskarte (eGK) betreiben.

Dies entspreche aber nicht der Wahrheit, vielmehr lehne die ARGE eine Online-Anbindung der eGK ab, versichert Hauptmann.

Ziel sei es vielmehr, eine Vernetzung von Ärzten und KVen zum einfachen Austausch von Daten, Briefen und Befunden unabhängig von der jeweiligen Praxissoftware zu entwickeln.

Dazu habe man eine frei zugängliche, kostenlose Schnittstelle zur Implementierung von Vertragssoftware für Selektivverträge für Ärzte entwickelt, die von Gegnern fälschlicherweise als "Trojaner" diskreditiert worden sei (wir berichteten).

Inzwischen wurde eine weitere Harmonisierung mit Krankenkassen erreicht. Neben dem AOK-Bundesverband und den Ersatzkassen beteiligen sich demnach auch die BKKen an der Schnittstelle.

Minderheitsbeteiligung in der Kritik

Hausärzteverband und Medi-Verbund wenden gegen die Standard-Schnittstelle ein, damit werde eine monopolistische Infrastruktur geschaffen, die die Teilnahme der beiden Verbände an Selektivverträgen beschneide und gleichzeitig den Kassen einen umfassenden Zugriff auf Praxisdaten ermögliche.

Dabei ist der Hausärzteverband selbst in Kritik geraten. Denn Hausärzteverband, HÄVG und die Abrechnungsstelle für den Hausarztvertrag, die ARZ Haan AG, hatten ihrerseits mit der CompuGroup Medical AG vereinbart, "durch gemeinsame Organisationen und Strukturen im Selektivvertragsbereich wirkstarke Softwarelösungen zu entwickeln und am Markt anzubieten".

Die Einwände richten sich hierbei gegen das Konstrukt der Minderheitsbeteiligung in einer gemeinsamen Management-Gesellschaft mit einem Privatunternehmen, die Gefahr einer Weitergabe von sensiblen Daten aus den Praxen und die Intransparenz bei der Vertragsgestaltung.

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