Ärzte Zeitung, 29.02.2012

Social Media mausern sich zu Infozentralen

Ob Facebook, Google+ oder Twitter: Immer mehr Internetnutzer sind in mindestens einem so zialen Netzwerk angemeldet. Das können Ärzte für sich nutzen. Denn über kaum ein Medium lassen sich mehr Patienten erreichen.

Von Kerstin Mitternacht

Social Media mausern sich zu Infozentralen

Rund 60 Prozent der Internetnutzer begeben sich täglich in ein soziales Netzwerk.

© alexander kirch / istockphoto.com

FRANKFURT/MAIN. Soziale Netzwerke wie Facebook, Google+ oder Xing werden immer intensiver genutzt und damit auch für niedergelassene Ärzte immer interessanter.

Fast ein Viertel (23 Prozent) der Internetnutzer in Deutschland verbringen ihre Online-Zeit in sozialen Netzwerken, wie der Branchenverband Bitkom auf Basis einer Erhebung des Marktforschungsunternehmens comScore berichtet. Vor einem Jahr waren es erst 14 Prozent.

Der Vorteil der Online-Netzwerke ist laut Bitkom, dass dort nicht nur mit Freunden und Kollegen kommuniziert werden kann, sondern auch Angebote anderer Websites direkt in die Netzwerke eingebunden werden und Nutzer ihre Profile auf ihre persönlichen Interessen abstimmen und eigene Inhalte zusammenstellen können.

Dieses Verhalten bestätigt auch die zweite, erweiterte Nutzerstudie zu sozialen Netzwerken des Branchenverbandes auf Basis einer repräsentativen Forsa-Umfrage. Drei Viertel der Internetnutzer sind laut Umfrage in mindestens einem sozialen Netzwerk angemeldet.

Auch die Generation 50 plus nutzt das Social Web

Zwei Drittel nutzen diese auch aktiv. In der Altersklasse unter 30 Jahren sind sogar 92 Prozent in einem oder mehreren Netzwerken angemeldet. In der Generation 50 plus sind es etwa 55 Prozent. Fast 60 Prozent nutzen die sozialen Netzwerke täglich. Das am meisten genutzte Netzwerk ist Facebook, 45 Prozent der Befragten gaben an, in diesem Netzwerk aktiv zu sein.

Die Ergebnisse der Studie zeigen außerdem, dass für die Mitglieder an erster Stelle die Kommunikation mit anderen Mitgliedern steht. 79 Prozent der Nutzer versenden Nachrichten oder E-Mails, weitere 60 Prozent chatten mit Freunden.

Etwa die Hälfte lädt Fotos oder Videos hoch, um sie mit Freunden zu teilen. Ebenfalls sehr beliebt ist die Möglichkeit, eine Veranstaltung zu planen. Fast die Hälfte der Nutzer hat etwa auf diesem Weg schon einmal eine Einladung erhalten.

Das Thema Datenschutz ist fast allen Nutzern wichtig: 96 Prozent achten bei der Auswahl des Netzwerkes auf das Thema Sicherheit ihrer persönlichen Daten. 77 Prozent der Mitglieder haben außerdem die Einstellung zur Privatsphäre ihres Netzwerkes aktiv verändert und damit den Datenschutz an ihre Bedürfnisse angepasst.

Allerdings gibt es etwa 11 Prozent, die sich noch überhaupt nicht mit der Privatsphäreneinstellung befasst haben, darunter vor allem die über 50-Jährigen.

Mehr als jeder Vierte sucht nach aktuellen Infos

Wenig überraschend ist, dass beim Nutzungsgrund eines sozialen Netzwerkes an erster Stelle "sich über Freunde informieren" genannt wird (71 Prozent). 37 Prozent der Befragten wollen neue Menschen kennenlernen.

Mehr als jeder Vierte (28 Prozent) nutzt die Netzwerke aber auch als Informationskanal, um sich über das Tagesgeschehen zu informieren. Gerade dieses Verhalten von Nutzern kann auch für Ärzte interessant sein, die darüber nachdenken, sich mit ihrer Praxis in einem solchen Netzwerk anzumelden.

Denn so können sie mit einem Praxis-Auftritt, etwa bei Facebook, eine große Zahl von Patienten erreichen und über aktuelle Veränderungen der Praxis, etwa Sprechstundenzeiten, Urlaub, Notdienst oder auch über aktuelle Themen wie Grippeimpfung oder Allergien informieren. Dabei können sie den Auftritt in einem sozialen Netzwerk wie eine Website nutzen.

Eher schlecht sieht es allerdings laut Studie beim Vertrauen in die Sicherheit sozialer Netzwerke aus. Bei allen abgefragten Netzwerken gab etwa die Hälfte der Befragten an, dem Netzwerk nicht oder gar nicht zu vertrauen.

Dem Marktführer Facebook vertrauen 62 Prozent der Umfrageteilnehmer nicht. 86 Prozent wünschen sich daher ein Datenschutz-Siegel für soziale Netzwerke.

Die Spielregeln für den Arztauftritt bei Facebook & Co

Ärzte können wie andere Freiberufler und Unternehmen auch für ihre Arztpraxis eigene Seiten in soziale Netzwerke wie Facebook einstellen. Dabei ist eine solche öffentliche "Fan-Seite" prinzipiell wie eine Praxis-Website zu behandeln. Das heißt, es gilt die Impressumspflicht gemäß Paragraf 5 Telemediengesetz (TMG).

Da es oft jedoch nicht so einfach ist, ein Impressum anzulegen, könnte ein mit "Impressum" bezeichneter Link auf das Impressum der eigenen Website eingerichtet werden. Oder aber es wird an anderer zentral ersichtlicher Stelle ein Impressum deutlich sichtbar angelegt, in Facebook etwa unter dem Menüpunkt "Info".

Wichtig ist auch, dass keine Infos zu Patienten gepostet werden. Denn Patientendaten unterliegen einem strengen Datenschutz und der ärztlichen Schweigepflicht. Auch stark verfremdete medizinische Fälle haben nichts in sozialen Netzen zu suchen.

Ärzte müssen ebenso darauf achten, dass Patienten selbst keine Krankengeschichten auf die Fan-Seite des Arztes stellen. Lässt sich dies technisch nicht unterbinden, sollte das Praxisteam solche Ein träge sofort bei Sichtung löschen, damit daraus nicht später Vorwürfe gegen den Arzt vorgebracht werden können.

Und natürlich gilt auch in sozialen Netzen das Fernbehandlungsverbot.

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