Ärzte Zeitung online, 16.06.2017
 

Apple-Rechner

Diese Software spielt in der Praxis mit

Waren vor gar nicht langer Zeit Praxis-EDV-Programme für Apples Mac-Rechner eher die Ausnahme, kommt langsam Dynamik in den Markt. Immer mehr gerade junge Anbieter setzen auf Apples Betriebssystem. Die "Ärzte Zeitung" gibt einen Markteinblick.

Von Hannes Rügheimer

Diese Software spielt mit

Zwischen iPad und feststehendem Mac wechseln? – Die meisten Arztsoftware-Systeme für Apple-Rechner können das.

© Witthaya / stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Apple-Rechner stehen auch bei Ärzten hoch im Kurs. Im Vergleich zu Windows-Computern punkten sie mit elegantem Design und besonders einfacher Bedienbarkeit. Hinzu kommt, dass Macs nach wie vor weniger anfällig gegenüber Schadsoftware wie Ransomware sind, die gerade in Praxen und Kliniken traurigen Ruhm erlangt hat.

Das Faible von Medizinern für die kalifornischen Computer und Mobilgeräte à la iPad und iPhone führt dazu, dass das Angebot an Mac-tauglicher Praxissoftware allmählich wächst. Insgesamt acht namhafte Pakete haben wir bei unserer Marktrecherche gefunden.

Hinzu kommt noch eine Handvoll webbasierter Systeme, die auf Cloud-Servern laufen und per Web-Browser bedient werden. Solche Browser-basierten Systeme funktionieren natürlich sowohl auf dem Mac, als auch auf Tablets und Smartphones. Da sie jedoch keinerlei Mac-spezifischen Funktionen bieten, wurden sie in der vorliegenden Übersicht nicht berücksichtigt.

Rechnermix möglich

Mit Ausnahme des eigens für den Mac programmierten Praxissoftwarepakets tomedo basieren jedoch alle Mac-kompatiblen Programme auf der Softwareumgebung Java. Dabei handelt es sich um eine Programmierplattform, die sich auf unterschiedliche Ziel-Betriebssysteme portieren lässt.

Vorteil für die Softwarehersteller: Auf Java-Basis können sie ihre Lösungen mit geringfügigen Anpassungen sowohl für Windows als auch für MacOS X anbieten. Einige wie Aceto, Arkandus oder Epikur unterstützen zusätzlich auch Linux-Rechner.

Für Arztpraxen bietet dies den Vorteil, dass sie bei Bedarf auch mit gemischten Rechnerumgebungen – also sowohl Windows- als auch Mac-Rechnern – arbeiten können.

In der Regel sind solche Konstellationen historisch oder durch die Vorlieben einzelner beteiligter Ärzte bedingt. Wer damit liebäugelt, sollte bedenken, dass mit dem Einsatz unterschiedlicher Betriebssysteme typischerweise auch der Support-Aufwand steigt.

Die unterschiedlichen Angebote sind zum Teil auf einzelne Fachrichtungen spezialisiert – bei ihren Nutzern recht beliebt ist etwa die Zahnarzt-Software Charly. Zudem punktet diese Lösung mit der Anbindung an eigene iPad-Apps für Funktionen wie Anamnese, Terminvergabe oder Bildgebung.

Diese Funktionen zählen auch zu den Stärken der Mac-spezifischen Software tomedo. Ihr Anbieter Zollsoft entwickelt seit seiner Gründung gezielt für die Apple-Plattform und legt daher auch großen Wert auf die Verbindung der Mac-Praxissoftware mit mobilen Apple-Geräten wie iPad und iPhone. Die Integration geht in diesem Fall so weit, dass Ärzte einzelne Patientenakten für Hausbesuche auschecken und dann nach Rückkehr in die Praxis wieder mit dem dortigen Server synchronisieren können.

Zusatzfunktionen oft entscheidend

Standardfunktionen wie Patienten- und Terminverwaltung, Arztbrief-Erstellung, Formular-Ausfüllung und -druck sowie Kassenabrechnung und Rechnungserstellung für IGeL- und Privatabrechnungen erfüllen alle Pakete, wobei es Unterschiede in den Arbeitsabläufen oder neudeutsch "Workflows" und Bedienkonzepten gibt.

Ausschlaggebend für die Entscheidung für ein bestimmtes Paket sind in der Regel jedoch andere Kriterien: Zum einen spezialisierte Zusatzfunktionen, und zum anderen natürlich die Kosten.

Spezialfunktionen richten sich häufig an bestimmte Fachrichtungen, so bietet das Paket "pixelmedic" beispielsweise eine Interessentenverwaltung und ein optionales Marketing-Modul gezielt für plastische und ästhetische Chirurgen.

Die Software "Medys" hat Module für elektronisches Disease Management (DMP) oder Drogenambulanzen. Zollsoft wirbt damit, tomedo auf Anforderung von Fachärzten gezielt um die für ihre Fachrichtung erforderlichen Funktionen zu erweitern.

Preise oft ein schwieriges Thema

Und die Kosten? – Konkrete Vergleiche erschweren die Anbieter, weil viele von ihnen keine Preise kommunizieren, sondern das konkrete Angebot ihren jeweiligen Vertriebspartnern überlassen. Die meisten Anbieter setzen auf einmalige Lizenzkosten und kombinieren diese mit monatlichen Gebühren für einen Software-Wartungsvertrag.

Auch hier stellt sich Zollsoft etwas anders auf und bietet seine Software von vornherein im Monatsabo an. Einige Anbieter oder Händler der anderen Programme bieten aber auch die Möglichkeit, die oft recht hohen Einmalkosten per Leasing über einen längeren Zeitraum zu verteilen. Dies bietet dann – ebenso wie ein Monatsabo in der Regel auch steuerliche Vorteile.

Die Preismodelle

» Der direkte Vergleich der Mac-tauglichen Praxis-EDV-Systeme ist schwierig. Denn die Anbieter überlassen konkrete Angebote meist ihrem Vertriebspartner.

» Neben einmaligen Lizenzgebühren samt Wartungsvertrag, gibt es aber auch Leasingmodelle oder Monatsabos.

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