Ärzte Zeitung online, 20.09.2017
 

Digitalisierung

Wer nicht investiert, verliert

HAMBURG. Um die Chancen der Digitalisierung im Gesundheitswesen zu nutzen sind nach Berechnungen der HSH Nordbank gewaltige Investitionen erforderlich. Bundesweit könnten in den kommenden Jahren 129 Milliarden Euro anfallen. Weil das weder alle Krankenhäuser noch alle Praxen stemmen könnten, rechnen die HSH-Analysten mit einer Marktbereinigung.

Bei ihrer Annahme stützt sich die Bank auf ein Verhältnis von Ertrag zu Investition im Verhältnis eins zu drei: Um einen Euro pro Jahr einsparen zu können, müssen einmalig drei Euro investiert werden. Diese Kennziffer leitet die Bank aus den von ihr begleiteten Investitionsprojekten im Gesundheitswesen ab.

Die Prüfungsgesellschaft PwC hatte zuvor eine Rechnung vorgelegt, wonach der finanzielle Nutzen durch die digitale Infrastruktur bis zu zwölf Prozent der Gesundheitskosten betragen könnte. HSH geht deshalb von einer Einsparung von 43 Milliarden Euro aus – was laut ihren Erfahrungen zuvor das Dreifache, also 129 Milliarden Euro, Investitionen erfordern würde.

Diese Summe hat die Bank nach den Prozent-Anteilen an den Gesundheitskosten auf die Sektoren aufgeteilt und dann auf die Anzahl der Kliniken, Arzt- und Zahnarztpraxen heruntergebrochen. Danach müsste eine durchschnittliche Klinik 17,7 Millionen Euro investieren, eine durchschnittliche Arztpraxis 250.000 Euro und eine Zahnarztpraxis 230.000 Euro.

Analyst Thomas Miller sprach von einer "großen Herausforderung" für Kliniken und Praxen, diese Summen aufzubringen. Die HSH erwartet dennoch, dass massive Investitionen in die Digitalisierung erfolgen und sich "die Kluft zwischen armen und reichen Leistungserbringern vertiefen" wird. Kliniken und Praxen, die nicht investieren, würden mittelfristig aus dem Markt ausscheiden. (di)

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