Ärzte Zeitung online, 24.05.2017

Ratgeber Pflege

Den Umgang mit der Scham lernen

Schamgefühle sind für pflegende Angehörige oft eine große Belastung. Ein Ratgeber verspricht nun praktische Hilfe.

NEU-ISENBURG. Für pflegende Angehörige ist das Praxisteam meist erster Ansprechpartner bei Sorgen und Problemen im Pflegealltag. Ein wichtiges Thema wird von den Pflegenden aber meist nicht angesprochen: der Umgang mit Schamgefühlen. Hier könnte der Ratgeber des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) "Umgang mit Scham – Praxistipps für pflegende Angehörige" helfen, das Eis zu brechen. Und er könnte tatsächlich eine Art Erster Hilfe leisten, damit es erst gar nicht zur Überlastung kommt.

Der Ratgeber erläutert anschaulich, woher Schamgefühle kommen – sowohl bei der zu pflegenden Person als auch dem pflegenden Angehörigen. Dabei wird anhand typischer Pflegesituationen aufgezeigt, wann Scham entstehen kann und wie man ihr vorbeugen oder begegnen kann. Etwa indem man den Pflegebedürftigen in die Körperpflege – so weit möglich – aktiv einbezieht und persönliche Rituale aufrecht erhält. Aber eben auch, indem man seine Grenzen aufzeigt oder eine Pflegeberatung in Anspruch nimmt – hierfür hält der Ratgeber auch die notwendigen Adressen bereit. "Scham ist ganz natürlich und kommt sowohl bei Pflegebedürftigen als auch bei Pflegenden regelmäßig vor. Beherrschen jedoch Schamgefühle dauerhaft den Alltag, kann das zu psychischen oder sozialen Problemen führen", sagt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. "Für eine respektvolle und möglichst entspannte Pflege ist es daher wichtig, zu wissen, wie man peinlich empfundene Situationen meistert."

Laut Suhr können gerade veränderte Rollen, wie zwischen pflegebedürftigen Eltern und pflegenden Kindern, anfangs zu Unsicherheiten und Schamgefühlen auf beiden Seiten führen. "Dann kann es helfen, sich mit Menschen auszutauschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, zum Beispiel in einer Angehörigengruppe", so Suhr. (eb)

Der Ratgeber kann kostenlos per E-Mail

an bestellung@zqp.de bestellt oder als PDF unter www.zqp.de heruntergeladen werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

38 Prozent mehr psychische Diagnosen bei jungen Erwachsenen

Immer mehr junge Erwachsene leiden unter psychischen Erkrankungen. Allein die Diagnose Depressionen hat um 76 Prozent seit 2005 zugenommen, so der Arztreport 2018. mehr »

Vorhofflimmern schlägt aufs Hirn

Nicht nur ein Risikofaktor für Schlaganfall: Vorhofflimmern ist auch für das Gehirn gefährlich. Angststörungen und kognitive Einschränkungen sind Nebenwirkungen, so eine Studie. mehr »

Gericht urteilt über Diesel-Fahrverbote

Müssen Städte die Feinstaub-Notbremse ziehen und Diesel-Fahrzeuge aus den Innenstädten verbannen? Bejaht das Bundesverwaltungsgericht dies, könnte auch die Gesundheitswirtschaft in die Bredouille kommen. mehr »