Ärzte Zeitung online, 28.06.2017
 

Existenzgründung

Eigene Schwerpunkte kommen später

STUTTGART. Die maßgeschneiderte Praxis gibt es nicht. Ärzte, die zur Existenzgründung eine Praxis übernehmen wollen, müssen daher nicht darauf warten, bis sie eine Praxis finden, die mit denselben Schwerpunkten geführt wird, wie sie sich das selbst vorstellen. Darauf haben Niederlassungsexperten bei der Veranstaltung "KarriereSprechstunde" Ende Mai in Stuttgart hingewiesen.

"Nach ein paar Jahren machen Sie sich die Praxis ohnehin nach Ihren eigenen Schwerpunkten", betonte Medizinrechtler und Praxisberater Dr. Lars Lindenau von ETL ADVISION. Bevor die Praxis übernommen wird, ist allerdings ein genauer Blick in die Finanzunterlagen notwendig - vor allem in die Einnahmen-Überschussrechnung und in die betriebswirtschaftlichen Auswertungen, die sogenannten BWA, des laufenden Jahres und der vergangenen drei Jahre. So kann die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Übernahme fundiert beurteilt werden, bestätigte Klaus-Jürgen Bayer, Filialleiter der Deutschen Apotheker- und Ärztebank in Stuttgart.

Wichtig seien auch die Honorarunterlagen der Kassenärztlichen Vereinigung. Aus ihnen gehe die Einnahmestruktur der Praxis hervor, so Heike Müller-Henkel von der KV Baden-Württemberg. Vor allem zu Beginn der Tätigkeit in der neuen Praxis sei es zum Beispiel von Vorteil, wenn der Übernehmer die Weiterbildungen habe, die nötig seien, um spezielle Leistungsschwerpunkte des Vorgängers zu bedienen.

"Letztlich gehören auch alle Verträge auf den Tisch", sagte Lindenau während der Veranstaltung, die von der apoBank, ETL ADVISION und der "Ärzte Zeitung" gemeinsam initiiert wurde. Nur so würden die tatsächlichen Kostenstrukturen sichtbar.

"War zum Beispiel die Ehefrau in der Praxis angestellt? Welche Qualifikationen haben die Fachangestellten? Ist die Praxis wie bisher in den Räumen fortführbar, etwa wenn die Immobilie dem Vorgänger gehört? Welche Perspektiven bietet der Mietvertrag?"

Das seien wichtige Fragen, deren Antworten für die Einschätzung der Perspektiven der Praxis essenziell seien. Lindenau: "Läuft die Praxis dann einmal, können Sie Ihre eigenen Schwerpunkte setzen." (ger)

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