Ärzte Zeitung online, 25.10.2018

Landarzt gesucht

Das Projekt "Gesundheitshaus"

Im Umland von Itzehoe ziehen alle an einem Strang und setzen jetzt ein auf die Region zugeschnittenes Konzept zur Sicherung der Versorgung um.

Von Dirk Schnack

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Gemeinsam stemmen sie das Gesundheitshaus in Hohenlockstedt ( von links): Wolfgang Wein, Laura Löffler, Arkadi Isaak, Elisabeth Mürnseer und Harald Stender.

© di

HOHENLOCKSTEDT. 6000 Einwohner, drei Hausärzte – noch. Um die hausärztliche Versorgung auch in den kommenden Jahren zu sichern, wird in der Gemeinde Hohenlockstedt in Kürze kräftig investiert. Es entsteht ein Gesundheitshaus, das künftig niedergelassene und angestellte Ärzte, aber auch andere Gesundheitsberufe unter einem Dach vereint.

Um das Konzept in der Gemeinde im Umland von Itzehoe zu realisieren, brauchte es den Austausch zwischen Gemeinde und Ärztegenossenschaft Nord. Im Zuge dieses Austauschs fanden sich eine Investorin und ein Arzt-Ehepaar, das langfristig nicht nur am Standort bleiben, sondern seine Praxis erweitern will.

Nun geht die Gruppe in die konkrete Umsetzung und sucht einen angestellten Arzt. Die Chance, diesen auch zu finden, beurteilt Praxisinhaber Arkadi Isaak als gut: "Wir sind aufgeschlossen für technische Neuerungen und arbeiten im Team etwa mit einer NäPA", nennt Isaak Vorteile, die junge Ärzte oft überzeugen. Isaak und seine Frau arbeiten in Gemeinschaftspraxis im benachbarten Itzehoe und betreiben in Hohenlockstedt eine Zweigpraxis, in der sich das Ehepaar derzeit abwechselt.

Mit 52 Jahren der Jüngste

Ihre zu kleinen Zweigpraxisräume verlegen die Ärzte in das Gesundheitshaus. "Wir wollen mindestens einen Arzt anstellen. Die Räume im Gesundheitshaus bieten uns aber weitere Optionen für die Zukunft", sagt der Allgemeinmediziner. Die vorausschauende Planung ist wichtig, weil der 52-Jährige derzeit der jüngste unter den ortsansässigen Hausärzten ist.

Dass er diese Optionen bekommt, liegt am Zusammenwirken von Gemeinde und Ärztegenossenschaft. "Wir sind in den Dialog getreten und haben mögliche Alternativen aufgezeigt", sagt Harald Stender, der als hausärztlicher Koordinator auch in anderen Regionen des Landes zusammen mit der Ärztegenossenschaft neue Versorgungskonzepte realisiert. Bei der Lösungssuche stand im Vordergrund, dass die Betreiber eines Gesundheitszentrums möglichst aus den Reihen der freiberuflichen Heilberufe kommen sollten.

Die ortsansässige Apothekerin Elisabeth Mürnseer erkannte das Potenzial und investiert nun eine siebenstellige Summe. Das Gesundheitshaus wird eine Nutzfläche von rund 500 Quadratmeter umfassen, und auf dem Gelände ihrer Apotheke errichtet.

In den Plänen sind vier ärztliche Sprechzimmer vorgesehen. "Mindestens ein weiterer Gesundheitsberuf wird neben den Ärzten in das Gesundheitshaus einziehen", sagt Mürnseer. Ob das Zahnarzt, Pflegedienst oder Physiotherapie sein wird, lässt sie derzeit noch offen.

Stender und die bei der Genossenschaft für das Konzept verantwortliche Laura Löffler sehen mittelfristig die Chance, dass mehrere ergänzende Angebote hinzukommen. "Im Ärztezentrum Büsum erweitern wir auch ständig. Wenn das Haus erst mal steht und das Konzept funktioniert, kommen weitere Interessenten", sagen sie. Damit dieser Sogeffekt auch in Hohenlockstedt entsteht, bietet die Gemeinde nach Ansicht von Mürnseer gute Voraussetzungen.

Neubaugebiet geplant

Erst kürzlich hat sich eine Kinderärztin neu in dem Ort niedergelassen. Bürgermeister Wolfgang Wein plant ein Neubaugebiet, so dass mit weiterem Wachstum zu rechnen ist. Die Kommune übernimmt auch die Kosten für die Arztsuche und würde bei einem Scheitern eine alternative Nutzungsmöglichkeit für die dann überdimensionierten Praxisräume schaffen.

Damit wird vor Ort getan, was möglich ist. Was aber ist mit den gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen? Hier verweisen Isaak und seine Partner in Hohenlockstedt auf die Abrechnungsmöglichkeiten in der Telemedizin: "Die Honoraranreize, Telemedizin im Praxisalltag einzusetzen, müssen verbessert werden." Löffler, die an mehreren Standorten in Schleswig-Holstein für die Ärztegenossenschaft mit jungen Ärzten über eine Beschäftigung im ambulanten Sektor spricht, ist sich sicher: "Telemedizin ist ein ganz wichtiger Anreiz für die jungen Ärzte."

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