Ärzte Zeitung, 06.04.2009

Niedergelassene sehen alles andere als eine rosige Zukunft

Medizinklima-Index fällt auf Tiefstwert / Unzufrieden mit wirtschaftlicher Situation 

HAMBURG (di). Die Stimmung der niedergelassenen Ärzte in Deutschland ist auf ein neues Rekordtief gesunken. Der Medizinklima-Index fiel innerhalb eines halben Jahres um 20 Punkte.

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Mit minus 36,7 Punkten liegt der Index im Frühjahr 2009 tiefer als je zuvor. Der bisherige Tiefststand war im Frühjahr 2008 mit minus 23,9 Punkten erreicht worden.

Seit Beginn der Erhebung im Herbst 2006 lag der unter niedergelassenen Ärzten, Zahnärzten und Psychotherapeuten ermittelte Halbjahres-Index stets im negativen Bereich. Der jetzt ermittelte Wert weist auf eine deutlich verschlechterte Stimmung hin.

Besonders für die Ärzte sind die Werte dramatisch tief. Von ihnen schätzen nur noch 17,6 Prozent die aktuelle wirtschaftliche Lage als gut ein, 40,5 Prozent sind zufrieden. 42 Prozent der Ärzte empfindet die aktuelle Lage als schlecht. Bei den Zahnärzten sind dies mit 35,7 Prozent deutlich weniger, bei den Psychotherapeuten sogar nur 5,3 Prozent.

Noch düsterer als die Gegenwart schätzen die niedergelassenen Ärzte die Zukunft ein. Nur 8,3 Prozent von ihnen glaubt an eine positive, 22,4 Prozent an eine gleich bleibende Entwicklung. 69,3 Prozent erwarten eine weitere Verschlechterung. Bei den Zahnärzten sind dies mit 54,8 Prozent wiederum deutlich weniger, ebenso bei den Psychotherapeuten mit gerade einmal 15,8 Prozent.

Zahnärzte und Psychotherapeuten sind weniger pessimistisch gestimmt.

Der halbjährlich erstellte Medizinklimaindex wird im Auftrag der Hamburger Stiftung Gesundheit von der Gesellschaft für Gesundheitsmarktanalyse (GGMA) erstellt. Der Index wird aus dem Mittelwert der Salden der aktuellen und der erwarteten Geschäftslage gebildet.

Nur auf die Ärzte bezogen liegt dieser Wert bei minus 42,7 (Zahnärzte minus 29,8, Psychotherapeuten plus 13,2)

Vergleichbare Werte aus anderen Branchen sind aktuell ebenfalls tief im Minus. Das Niveau der Ärzte erreicht aber nur das verarbeitende Gewerbe (minus 42,9).

Die GGMA befragt für den Medizinklimaindex ein repräsentatives Sample von 598 Ärzten, Zahnärzten und Psychotherapeuten, die regelmäßig teilnehmen. Hinzu kommt jeweils ein Sample aus 1055 neu angeschriebenen Teilnehmern aus diesen Berufsgruppen. In diesem Segment belief sich die Rücklaufquote auf 16 Prozent.

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Dicke Luft bei den Ärzten

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