Ärzte Zeitung, 11.03.2010
 

Höxter schlägt Brücke zu Ärzten in aller Welt

Personalsuche nur vor der eigenen Haustür? Das war gestern, heute wird weltweit gesucht. Das Netzwerk "Impulse" in der Region Höxter macht es vor - dort suchen Kliniken und Reha-Einrichtungen künftig gemeinsam nach Personal, grenzüberschreitend.

Von Ilse Schlingensiepen

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Um neue Mediziner an Bord zu bekommen, sondieren Klinik- und Rehavertreter aus der Region Höxter ausländische Arbeitsmärkte,. © Andres Rodriguez / Fotolia.de

HÖXTER. Kliniken und Rehaeinrichtungen gehen in der Region Höxter das Problem des ärztlichen Personalmangels künftig gemeinsam an. Sie haben sich zum Netzwerk "Impulse" zusammengeschlossen. "Wir überbrücken die Konkurrenz und prüfen, was wir zusammen tun können", sagt Boris Weber, Verwaltungsleiter der Katholische Krankenhäuser Bad Driburg-Brakel gGmbH, eine der acht Trägergesellschaften des Projekts.

"Es geht um die Akquise und die Integration von Personal ebenso wie um die Fort- und Weiterbildung", erläutert er. Nach der Vorbereitungsphase haben die Aktivitäten Anfang Oktober 2009 begonnen.

Das Projekt ist auf eine Zeitspanne von zwei Jahren angelegt. Im Vordergrund stehe dabei zunächst die Gewinnung von ärztlichem Personal für die stationären Einrichtungen in der Region, sagt Weber. "Angesichts der sich abzeichnenden Engpässe bei hochqualifizierten Pflegekräften besteht aber auch hier Handlungsbedarf."

In einem ersten Schritt haben die Vertreter der Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen rund 100 internationale Arbeitsmärkte durchleuchtet. Im Mittelpunkt stand dabei die spannende Frage, ob sich diese Märkte für die Rekrutierung medizinischen Fachpersonals überhaupt eignen.

Unter ihnen haben sie 20 europäische Länder und einige Anrainerstaaten ausgewählt und sie nach einem eigenen Kriterienkatalog überprüft. "Wir werden demnächst in einem osteuropäischen Land aktiv werden", kündigt Weber an. Genaueres will er wegen der virulenten Konkurrenzsituation aber noch nicht sagen.

Die Zusammenarbeit der Häuser im Netzwerk "Impulse" erstreckt sich auch auf die Organisation der Versorgung vor Ort. "Wir prüfen die Einrichtung eines Videokonferenzsystems", berichtet Weber.

Auch Themen wie familienfreundliche Arbeitszeitmodelle, das E-Learning oder eine gemeinsame OnlineBibliothek beziehungsweise Online-Wissensdatenbank stehen auf der Agenda. Der Klinik-Verwaltungsleiter ist sich ganz sicher: "Für sich allein genommen sind das alles bekannte Elemente. In der Gesamtheit ist unser Ansatz aber innovativ".

Das sehen auch andere so. Mit dem Konzept haben die Initiatoren von "Impulse" einen Preis beim nordrhein-westfälischen Landeswettbewerb "Med in.NRW - Innovative Gesundheitswirtschaft" gewonnen. Sie konnten jetzt einen Förderbescheid über 365 000 Euro aus Mitteln des Landes NRW und der EU entgegennehmen.

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