Ärzte Zeitung online, 27.05.2010

Das Aus fürs Medizinstudium in Lübeck? Im Norden drohen harte Einschnitte

KIEL (di). Kein Medizinstudium mehr in Lübeck und Privatisierung des Universitätsklinikums: Die Sparpläne der Landesregierung Schleswig-Holstein werden konkret. Und sie sorgen auch im Medizinbereich für harte Einschnitte.

Das Aus fürs Medizinstudium in Lübeck? Im Norden drohen harte Einschnitte

In Lübeck soll man künftig nicht mehr Medizin studieren können. © Yuri Arcurs / fotolia.com

"Ab dem Wintersemester 2011/12 werden keine neuen Studienanfänger für Medizin in Lübeck immatrikuliert." Dieser Satz aus den Empfehlungen zur Konsolidierung der Landesfinanzen, erstellt von einer Haushaltsstrukturkommission, schlug in Lübeck ein wie eine Bombe.

Das Ende des Medizinstudiums in Lübeck - das von den Studenten in Ranking stets gute Noten erhält - hätte für die Hansestadt weit reichende Folgen. Befürchtet wird, dass damit der gesamte Uni-Standort in Gefahr gerät, weil die anderen Studiengänge wie etwa Medizininformatik um die Medizin angesiedelt sind. Hinzu kommt, dass viele Medizintechnikfirmen sich wegen der Nähe zur Uni in Lübeck angesiedelt haben. In der Stadt will nun ein Krisenstab für die Uni kämpfen.

Die Kommission schlägt außerdem vor, den Sanierungsstau von fast einer Milliarde Euro am Universitätsklinikum (mit den Standorten Kiel und Lübeck) durch private Investoren aufzulösen. "Eine relevante Beteiligung des Landes ist angesichts der Haushaltslage nicht realisierbar", heißt es in dem Papier.

Zugleich wird auf den seit Jahren defizitären Betrieb mit Fehlbeträgen von mehr als 100 Millionen Euro hingewiesen - trotz hoher Landeszuschüsse. Deshalb soll nun die Privatisierung vorbereitet werden. Dagegen laufen die Gewerkschaft ver.di und die Oppositionsparteien Sturm. Die Gewerkschaft sprach von einem "Schlag ins Gesicht" der über 10 000 Beschäftigten. Sie erinnerte an einen Tarifvertrag bis 2015, in dem Sanierungsbeiträge durch das Personal in Höhe von elf Millionen Euro jährlich enthalten sind, damit am Ende nicht privatisiert wird.

Ob sich die Regierung von den Protesten beeindrucken lässt, ist fraglich. Die Koalitionspartner CDU und FDP haben sich einstimmig hinter die Pläne der Kommission gestellt, weil sie wegen der hohen Schulden des Landes keinen anderen Ausweg sehen. Im Parlament haben die beiden Fraktionen allerdings nur eine Ein-Stimmen-Mehrheit.

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