Ärzte Zeitung online, 22.12.2010

Geschlechterrollen am Arbeitsmarkt bleiben weitgehend starr

WIESBADEN (dpa). In weiten Teilen des deutschen Arbeitsmarkts bleiben die Geschlechter nach wie vor unter sich. In bestimmten, als besonders geschlechtsspezifisch empfundenen Berufsgruppen verschieben sich die Anteile von Frauen und Männer kaum, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden berichtete.

So sind beispielsweise die Berufe Maurer, Elektriker oder Berufskraftfahrer weiterhin nahezu ausschließlich in Männerhand. Frauen sind hingegen unter anderem in Kindergärten, Kaufhäusern und Friseursalons nahezu unter sich.

Knapp die Hälfte aller Männer und mehr als ein Drittel aller Frauen arbeiten in Berufen, die zu 80 Prozent und mehr vom eigenen Geschlecht dominiert werden. Nur jeweils jeder und jede Fünfte haben am Arbeitsplatz ein in etwa ausgewogenes Verhältnis. Im Büro und bei Kreativen macht der kleine Unterschied zumindest auf den ersten Blick weniger aus: Bei Kaufleuten, Versicherungen, Banken sowie in künstlerischen und publizistischen Berufen ist das Verhältnis ungefähr ausgeglichen.

Lediglich in akademischen Berufen wie bei Ärzten und Juristen ist der Frauenanteil im beobachteten Zeitraum zwischen 2000 und 2009 deutlich gewachsen.

Über die Gründe der fest gefügten Berufswahlmuster sagten die Zahlen nichts aus, erklärten die Statistiker. In Frage kämen persönliche Neigungen wie auch erschwerte Zugänge in besonders typische Männer- oder Frauenberufe. In den typischen Frauenjobs seien Teilzeitarbeit, geringfügige Beschäftigung und niedrige Einkommen weiter verbreitet.

Auch in den Büroberufen ist den Frauen oftmals der Weg in die höheren Ränge nicht gelungen: So ist schon der Bereich der Unternehmensleitung und -beratung mit 65 Prozent eher Männersache. In der Chefetage der Unternehmer oder Geschäftsführer sieht es dann mit einer männlichen Dominanz von 75 Prozent noch deutlicher aus. Demgegenüber sind Schreib- und Assistenztätigkeiten nahezu ausschließlich in der Hand von Frauen.

Im Vergleich der Mikro-Zensusdaten der Jahre 2000 und 2009 ergibt sich ein deutlich wachsender Frauenanteil gemessen an allen Erwerbstätigen. Er stieg von 41,6 Prozent auf 45,8 Prozent, liegt aber immer noch unter dem Frauenanteil an der Gesamtbevölkerung von 51 Prozent.

Klare Männerdomänen sind vor allem körperlich anstrengende Bauberufe. Unter 1000 Maurern finden sich danach nur vier Frauen. Aber auch Berufe des Metallbaus, Bergleute, Berufskraftfahrer sowie Elektroberufe waren stark von Männern dominiert. Hier lag der Männeranteil im Jahr 2009 jeweils deutlich über 90 Prozent.

Fast nur Frauen gingen dem Job der Kosmetikerin nach (96,6 Prozent). Es folgen Haus- und ernährungswirtschaftliche Berufe (94,9 Prozent)und Erzieherinnen (92,8 Prozent). Auch die Krankenpflege, Sprechstundenhilfe und das Friseurhandwerk sind mit Frauenanteilen von um die 90 Prozent typisch weibliche Berufe.

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