Ärzte Zeitung online, 02.08.2013

Aktuelle Statistik

Weniger Arbeitsunfälle, aber mehr bestätigte Berufskrankheiten

Die Zahl meldepflichtiger Arbeits- und Wegeunfälle ist erneut gesunken - und zwar im fünfstelligen Bereich. Das zeigen die aktuellen Daten der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen.

BERLIN. Im vergangenen Jahr zählten Berufsgenossenschaften (BG) und Unfallkassen insgesamt 1.061.365 meldepflichtige Arbeits- und Wegeunfälle.

Das waren 4,16 Prozent oder 46.112 Unfälle weniger als noch ein Jahr zuvor. Davon machten die Arbeitsunfälle mit 885.009 den Löwenanteil aus, wobei sich hier die Zahl der gemeldeten Unfälle im Vergleich zu 2011 um 3,7 Prozent verringert hat.

Die Daten stammen aus den Geschäfts- und Rechnungsergebnissen der BG und Unfallkassen, die ihr Verband, die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), jetzt veröffentlicht hat.

Dass die Zahl der Arbeitsunfälle insgesamt schon seit Jahren rückläufig ist, zeigte bereits im vergangenen Jahr der Bericht "Stand von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit" der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), in dem die BAuA die Daten zu Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten in Deutschland sammelt.

Demnach wiesen die Arbeitsunfälle seit 1960 - so lange werden die Daten bereits erfasst - insgesamt einen kontinuierlich rückläufigen Trend auf, natürlich mit kleinen Ausreißern nach oben.

Unfallrisiko liegt bei 23 Arbeitsunfällen je 1000 Vollarbeitern

Heruntergenrochen lag das Unfallrisiko 2012 bei 23,32 Arbeitsunfällen je 1000 Vollarbeitern. Dennoch endeten im vergangenen Jahr 500 Arbeitsunfälle und 386 Wegeunfälle tödlich.

Etwas anders sieht es in Sachen Berufskrankheiten aus. Die Zahl der Verdachtsmeldungen stagniert zwar nahezu auf nicht unerheblichem Niveau: Sie betrug 2010 immerhin 70.277 Fälle, in 2011 stieg die Zahl der Meldungen auf 71.269 Fälle und sank in 2012 um gerade einmal rund einen Prozent auf 70.566 Fälle.

Aber die Zahl der anerkannten Berufskrankheiten legt kontinuierlich zu. 2010 wurden noch 31.219 Verdachtsmeldungen auch anerkannt, ein Jahr später waren es bereits 34.573 und im vergangenen Jahr 35.293 Fälle.

Kontakt mit Asbest immer noch Todesursache Nummer eins

Die häufigste Berufskrankheit sind nach Angaben der DGUV dabei Hauterkrankungen. "Gerade bei den Haut-Berufskrankheiten zeigt sich, dass Früherkennung und schnelle Behandlung in vielen Fällen den Verlust der Arbeit verhindern können", sagt DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Breuer.

4924 Versicherte erhielten im vergangenen Jahr erstmals eine Rente aufgrund einer Berufskrankheit. Das waren fast neun Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor.

2454 Versicherte verstarben zudem in Folge einer Berufskrankheit. Hauptursache in beiden Fällen - also auch bei der Verrentung - war der berufliche Kontakt mit Asbest, so die DGUV.

Wobei die Zahl der Todesfälle in Folge einer Berufskrankheit - nachdem sie 2011 angestiegen war - wieder um über drei Prozent oder 94 Fälle gesunken ist.

Unfallkassen geben über eine Milliarde Euro für Prävention aus

Unfall- und Krankheitsvorsorge haben sich die BG und Unfallkassen im vergangenen Jahr mehr kosten lassen. Insgesamt wurden für Präventionsmaßnahmen über eine Milliarde Euro und damit fast sieben Prozent mehr als im Vorjahr ausgegeben.

Für Rehabilitationsleistungen mussten die Versicherer rund 3,8 Milliarden Euro zahlen.

Das Entgelt der Arbeitnehmer und versicherten Selbstständigen, das für die Beitragsberechnung der Berufsgenossenschaften gemeldet wird, stieg 2012 um 4,2 Prozent auf 816,7 Milliarden Euro.

Das Umlagesoll der gewerblichen Berufsgenossenschaften für 2012 betrug rund 10,6 Milliarden Euro und damit 2,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Der durchschnittliche Beitrag zu den Berufsgenossenschaften belief sich auf 1,3 Prozent.

Der Umlagebeitrag der Unfallkassen stieg um 4 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Als Hauptgrund für diese Entwicklung führt DGUV-Hauptgeschäftsführer Breuer die genannten gestiegenen Aufwendungen für Prävention und Rehabilitation an.

Insgesamt hätten diese beiden Bereiche die Unfallversicherung 130 Millionen Euro mehr als ein Jahr zuvor gekostet. (reh)

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