Ärzte Zeitung online, 29.01.2014

Diskriminierung

Personalvermittler haftet nicht

ERFURT. Wer sich bei einem Bewerbungsverfahren um die Stelle eines angestellten Arztes diskriminiert fühlt und deshalb eine Entschädigung verlangen will, muss immer gegen den Arbeitgeber vorgehen.

Wie kürzlich das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt entschied, ist ein zwischengeschalteter Personalvermittler generell die falsche Adresse - selbst dann, wenn die Bewerbung an ihn zu richten war.

Im konkreten Fall wies das BAG die Diskriminierungsklage eines Betriebswirts ab. Er hatte sich im September 2011 auf eine im Internet ausgeschriebene Stelle als Personalvermittler beworben und verfügte über eine mehrjährige Berufserfahrung.

In der Stellenanzeige wurde allerdings ein "Berufseinsteiger" mit ein- bis zweijähriger Berufserfahrung verlangt. Als Kontakt für die Bewerbung war ein Schwesterunternehmen des Arbeitgebers angegeben, das das Personal vermittelte. Von dort kam dann auch eine Absage.

Der Betriebswirt fühlte sich wegen seines Alters diskriminiert. Die Anzeigenformulierung "Berufseinsteiger" mit ein- bis zweijähriger Berufserfahrung weise auf eine unzulässige Altersdiskriminierung hin. Von dem Schwesterunternehmen verlangte der Kläger daher eine Entschädigung in Höhe von 16.000 Euro.

Das BAG lehnte den Entschädigungsanspruch jedoch ab. Der Kläger habe die falsche Gesellschaft, nämlich das als Personalvermittlerin tätige Schwesterunternehmen verklagt. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz sehe jedoch vor, dass eine Entschädigung nur gegen den Arbeitgeber geltend gemacht werden könne.

Die Personalvermittlerin sei aber nicht der Arbeitgeber für die ausgeschriebene Stelle gewesen und müsse für diesen auch nicht haften, so die obersten Arbeitsrichter. (mwo)

Az.: 8 AZR 118/13

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

"Telemedizin ist für uns Landärzte die Zukunft"

Geringes Honorar, hoher Aufwand und auf bestimmte Diagnosen begrenzt – trotzdem setzen einige Ärzte auf die Videosprechstunde. Und das aus vielerlei Gründen. mehr »

Was 100-Jährige von anderen unterscheidet

100-Jährige sind oft weniger krank als die Jüngeren. Worauf es ankommt, haben Forscher anhand von Daten von AOK-Versicherten herausgefunden. mehr »

Strategie zur Künstlichen Intelligenz gefasst

Die Bundesregierung will Deutschland fit für die Künstliche Intelligenz machen. Dazu hat das Kabinett jetzt Eckpunkte einer Strategie beschlossen. Gesundheit ist ein zentrales Thema. mehr »