Ärzte Zeitung, 27.08.2014
 

Kommentar zum Fehlzeiten-Report

Gefährliche Altersstruktur

Von Rebekka Höhl

Die selbst auferlegten Sparprogramme und die mitunter drastische Reduzierung der Mitarbeiterzahlen in deutschen Kliniken in den letzten Jahren wird in relativ naher Zukunft zu immensen Versorgungsproblemen führen. Um 73 Prozent ist in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Beschäftigten ab 50 Jahre in den Gesundheitsberufen gestiegen.

Und hierbei dürfte es sich vorwiegend um Pflegekräfte handeln, denn bekannterweise haben die Klinikbetreiber vor allem in dieser Berufsgruppe Personal eingespart. Einen ähnlich starken Anstieg haben nach den aktuellen Daten aus dem Fehlzeiten-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) nur noch die Elektroberufe zu verzeichnen.

Nicht nur aus dem Blickwinkel der Versorgung, auch rein wirtschaftlich ist diese Entwicklung kontraproduktiv. Die Versorgungsaufgaben der Zukunft werden sich nur lösen lassen, wenn es eine Entlastung der Ärzte in der Form gibt, dass ein Teil der Aufgaben an gut ausgebildetes Pflegepersonal delegiert wird.

 Doch dieses Personal ist nicht vorhanden, da die Kliniken über Jahre hier nur wenig Engagement für die Nachwuchsgewinnung gezeigt haben. De facto zeichnet sich eher eine zusätzliche Belastung der Ärzte ab. Kostengünstiger und gut für die Versorgung kann das nicht sein.

Lesen Sie dazu auch:
Fehlzeiten: Kranke Arbeitnehmer über 50 kosten Firmen am meisten

[27.08.2014, 10:03:10]
Marco Herold 
Logik?
Weil in der Berufsgruppe Pflege Personal insgesamt abgebaut wurde, gibt es jetzt in absoluten Zahlen einen Anstieg der Beschäftigte über 50 Jahren um 73%. Also Abbau führt zu Anstieg. Wie geht denn das?
Ob viele oder wenige Junge in den Beruf einsteigen, ändert an der Anzahl der Älteren nichts. Die Anzahl der Älteren ändert sich durch Berentung, Kündigung und individuellen Übergang des Beschäftigten in die Gruppe der Älteren. Sonst durch nichts.
In dem Artikel wird offensichtlich Anzahl mit Anteil verwechselt (wie doch häufiger in der Ärztezeitung) - ist aber egal, die Folgerung ist richtig. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Vom Sinn und Unsinn medikamentöser Arthrose-Therapien

Arthrosebeschwerden sind weit verbreitet und nur begrenzt medikamentös behandelbar. Ein Update zur Evidenzlage medikamentöser Therapien wurde nun präsentiert. mehr »

"Gelegenheits-Chirurgie ist nicht akzeptabel"

Die Risiken, direkt im Zusammenhang mit einer Op im Krankenhaus zu sterben, sind in Häusern mit geringen Fallzahlen höher als in spezialisierten Kliniken. mehr »

Diesen Effekt haben Walnüsse auf Lipide

Die Lipidsenkung durch den täglichen Verzehr von Walnüssen stellt sich offenbar unabhängig davon ein, ob man dabei auf Kohlenhydrate oder Fette oder auf beides verzichtet. mehr »