Ärzte Zeitung online, 24.02.2017
 

Tarifverhandlungen

MFA-Verband fordert Plus von sechs Prozent

Mit einem linearen Gehaltsplus von sechs Prozent für MFA und einer Aufstockung der Azubi-Gehälter ist der Verband der Fachangestellten ins Rennen gegangen. Definitiv zu viel, so die Tarifpartei der Praxischefs.

BERLIN. Es ist wieder so weit: Auch in diesem Frühjahr stehen Tarifverhandlungen über die Gehälter der Medizinischen Fachangestellten (MFA) an. Zur Diskussion steht aber nicht nur der Gehalts- sondern auch der Manteltarifvertrag. Denn die AAA will eine Umgestaltung des 13. Monatsgehalts vornehmen.

Erste Runde ohne Ergebnis

Doch das ist nicht der einzige Grund, warum es in der ersten Verhandlungsrunde am 22. Februar noch nicht zur Einigung kam. Die Tarifpartei der MFA, der Verband der medizinischen Fachberufe e.V. (VmF) fordert eine lineare Gehaltserhöhung von sechs Prozent über alle Berufsjahr- und Tätigkeitsgruppen. "Damit würde die Tätigkeitsgruppe I im 1. Berufsjahr mit ca. 1829 beginnen", erklärt Verbandspräsidentin Carmen Gandila. "Der Einstiegsstundensatz liegt dann bei einer Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden bei 10,95 Euro." Bei den derzeitigen Einstiegsgehältern sei eine unabhängige Lebensführung kaum möglich, so Gandila weiter. "Den Arbeitgebervertretern dürfte klar sein, dass sie mit Anfangstarifgehältern von nicht einmal 1750 Euro brutto keine Fachkräfte rekrutieren können", sagt sie mit Blick auf die Diskussion um den Fachkräftemangel.

Außerdem sollen nach Wunsch des VmF die Azubi-Gehälter in den Praxen noch einmal um 45 Euro angehoben werden. Das ist laut VmF wichtig, um gegenüber anderen Ausbildungsberufen attraktiv zu bleiben. Wenn man sich die Entwicklung der Ausbildungsvergütungen in den dualen Berufen in 2016 anschaue, dann habe der bundesweite Durchschnitt laut Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) bei 854 Euro pro Monat gelegen, sagt Gandila. Bei den MFA liege er bei 773 Euro pro Monat (wir berichteten). Gandila: "Um eine Angleichung zu erreichen, bräuchten wir eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen in Höhe von mindestens 81 Euro für die Laufzeit von einem Jahr."

Es geht nicht um eine Nullrunde

Die Arbeitgeberseite – die Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/Medizinischen Fachangestellten (AAA) – verfolgt nicht das Ziel einer Nullrunde. Angesichts der für 2017 vereinbarten Erhöhung des Orientierungswertes im EBM – also dem Preis für einen Leistungspunkt in dem Gebührenwerk – von 0,9 Prozent hat sie aber eine Erhöhung von 1,0 Prozent vorgeschlagen.

Bei der Umgestaltung des 13. Monatsgehaltes geht es nach Angaben der AAA auch nicht darum, den MFA dieses zu streichen. Vielmehr wolle man es – auch im Sinne der MFA – anders verteilen. Hier will der VmF zunächst eine Umfrage unter den Fachangestellten durchführen, um herauszufinden, wie diese zu einer Umwandlung stehen. Eine konkrete Ausgestaltung dieser Umwandlung hat die AAA laut Gandila aber noch nicht vorgelegt. Und auch bei der AAA selbst war hierzu noch nichts zu erfahren.

Der Verband der Fachberufe will außerdem mit den aktuellen Verhandlungen erreichen, dass einige Beispiele unter den Tätigkeitsgruppen IV und VI in Paragraf 3 Abs. 5 des Gehaltstarifvertrages aktualisiert werden. "Dazu hat sich die AAA noch nicht geäußert", erklärt Gandila.

Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 4. Mai angesetzt. Trotz aller Differenzen, VmF-Präsidentin Carmen Gandila zeigt sich optimistisch, dass es zügig zu einer Einigung kommen wird.(reh)

[24.02.2017, 14:06:05]
Gerhard Heinsch 
Realitätsverlust bei dem Verband der medizinischen Fachberufe e.V. (VmF)
So lange bei den Ärzten als Arbeitgeber Punktwerterhöhungen von lediglich 0,9% für das Jahr 2017 in den Verhandlungen mit den Krankenkassen verhandelt werden konnten ist eine Forderung von 6% als Lohnerhöhung angesichts der schon in den Vorjahren verhandelten Lohnerhöhungen für die MFA schlichtweg realitätsfern.

Die Abhängigkeit des Honorars der Ärzte von den Krankenkassen ist unmittelbar mit dem Lohn der medizinischen Fachangestellten verknüpft. In Nordrhein-Westfalen kommt sogar die 0,9% Punktwerterhöhung nicht an. Hier werden teilweise erbrachte Leistungen in der Gesamtvergütung nicht mehr vergütet, da nicht genug Honorar im Topf ist. Natürlich sollen alle MFA an allgemeinen Lohnsteigerungen teilhaben...aber dann auch im gleichen Verhältnis gemessen am Honorarzuwachs der im Kassensystem tätigen Ärzte.

Von den Vertretern der Ärzte wird hier von der Basis erwartet sich daran zu orientieren um die Wirtschaftlichkeit der Praxen nicht zu gefährden und indirekt damit auch die Arbeitsplätze der MFA. Auch das sollte der Verband der medizinischen Fachberufe berücksichtigen und hier umsichtig im Sinne der Mitglieder (MFA) handeln.

Dr. G. Heinsch
Internist / hausärztliche Tätigkeit zum Beitrag »
[24.02.2017, 12:16:05]
Klaus Günterberg 
Pseudo-Tarifverhandlungen? Tarifpartei der Praxischefs? Beide Verhandlungspartner sind nicht legitimiert
Alle Jahre wieder … kommt das Christkind auf die Erde nieder. Ja. … Und wird von solchen „Tarifverhandlungen“ berichtet.

Dazu gäbe es viel zu sagen. Hier nur in aller Kürze:
Der Verband der Medizinischen Fachangestellten möchte gern eine Gewerkschaft sein; nur eine Gewerkschaft kann und darf Tarifverhandlungen führen. Von einer Mitgliedschaft dieses Verbandes in einem Gewerkschaftsverbund ist aber nichts bekannt. Auch dürfen selbst Gewerkschaften nur dann Tarifverhandlungen führen, wenn sie „mächtig“ sind, d.h., wenn sie ihre Forderungen ggf. auch mit Kampfmassnahmen durchsetzen könnten. Für eine solche Mächtigkeit aber ist der Verband viel zu klein.
Die Arbeitsgemeinschaft der Arbeitgeber auf der anderen Seite ist noch viel kleiner, ein Mini- oder Pseudo-Verein, mehr ist nicht zu erfahren, angesiedelt bei der Ärztekammer. Er ist keinesfalls eine Vertretung der niedergelassenen Ärzte („Tarifpartei der Praxischefs“ ????), ist auch keine demokratisch legitimierte Vertretung der deutschen Ärzteschaft.

So sind beide Verhandlungspartner für Tarifverhandlungen überhaupt nicht legitimiert. Hier wird uns Sand in die Augen gestreut! Wer mehr wissen will, der kann nachlesen:
unter http://dr-guenterberg.de/content/publikationen/presse-buecher/2011/PatR_11-06-S1.pdf
und http://dr-guenterberg.de/content/publikationen/presse-buecher/2011/PatR_11-06-S10-12.pdf

Nach Abschluss ihres „Gehaltstarifvertrages“ haben die Vertragsparteien die vereinbarten Gehälter stets in einer Pressemitteilung als „Mindestbedingungen“ bezeichnet. Solche Hinweise in der Öffentlichkeit sollen natürlich Begehrlichkeiten wecken. Nun kann aber dauerhaft in unserem Land niemand mehr ausgeben, als er einnimmt. Das gilt auch für niedergelassene Ärzte als Arbeitgeber. Wenn der niedergelassene Arzt seine wirtschaftliche Existenz sichern und seinen Mitarbeitern den Arbeitsplatz erhalten will, kann er nur Gehälter zahlen, die den Umständen angemessen sind, kann er bei minimal gestiegenen Einnahmen und stärker steigenden Kosten keine höheren, keine Wunschlöhne zahlen. Nur wenn der niedergelassene Arzt tarifgebunden ist, muss er diesem „Tarifvertrag“ folgen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es steht außer Frage, dass auch die Arzthelferinnen (gemeint sind auch alle anderen Mitarbeiter der Ärzte) eine angemessene Bezahlung und die Anpassung an die Inflation verdient haben. Wenn man heute, ob tarifgebunden oder nicht, solchen Pseudo-Tarifverhandlungen und Wunschlöhnen nicht folgen kann, sollte man auch nicht vergessen, dann, wenn sich die Überschüsse der Praxis einmal dauerhaft erhöhen, die Mitarbeiter daran zu beteiligen.

Dr. Günterberg
Gynäkologe. Berlin
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