Ärzte Zeitung online, 11.01.2018

Kommentar

Fraglicher Mutterschutz

Von Anke Thomas

Mit der Novellierung des Mutterschutzgesetzes wollte der Gesetzgeber besser auf die Bedürfnisse von schwangeren und stillenden Frauen eingehen. Ob das mit Gefährdungsbeurteilungen der Arbeitsplätze, Dokumentationen darüber oder der Möglichkeit bis 22 Uhr arbeiten zu dürfen gelingt, ist sehr fraglich.

Denn die eher bürokratisch ausgestalteten Pflichten bedeuten für Arbeitgeber letztendlich lästige Mehrarbeit. Und ein Arbeitgeber, der es mit seinen Fürsorgepflichten noch nie so genau genommen hat, wird dank des neuen Gesetzes nun gewiss keinen Sinneswandel durchlaufen.

Auch wenn das Einverständnis der Schwangeren vorausgesetzt wird, kann die Regelung, zum Beispiel bis 22 Uhr arbeiten zu dürfen, Druck aufbauen. Denn eine Schwangere wird gegenüber ihrem Arbeitgeber vielleicht einknicken, wenn er auf Arbeit nach 20 Uhr drängt.

Den eh schon bürokratiegeplagten Ärzten dürften die neuen Vorgaben die Zornesröte ins Gesicht treiben. Schließlich liegt es nahe, dass gerade Ärzten, die sich täglich um die Gesundheit ihrer Patienten kümmern, der Schutz von werdenden und stillenden Müttern zur Berufung gehört. Dass auch diese Berufsgruppe sich mit den neuen Pflichten auseinandersetzen muss, ist schlichtweg bitter.

Lesen Sie dazu auch:
Gesetzesänderung: Diese neuen Pflichten beim Mutterschutz müssen Praxis-Chefs kennen

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Vom Chefarzt zum Hausarzt-Assistenten

Selten dürfte es sein, wenn nicht einmalig: Dr. Roger Kuhn hat seinen Chefarztposten im Krankenhaus aufgegeben, um in einer Hausarztpraxis zu arbeiten – als Assistent. mehr »

Keine Notdienstpflicht für ermächtigte Krankenhausärzte

Muss ein ermächtigter Klinikarzt auch KV-Notdienst leisten? Nein, hat das Bundessozialgericht jetzt entschieden. mehr »

Wenn die Depressions-App zweimal klingelt

Smartphone-Apps könnten helfen, eine beginnende Depression oder ein hohes Suizidrisiko aufzuspüren. Lernfähige Algorithmen könnten ein verändertes Nutzerverhalten erkennen – und notfalls Alarm schlagen. mehr »