Ärzte Zeitung, 02.04.2008

"Praxisgründung ist kein Griff in den Honigtopf"

Ärztin gibt Kolleginnen Tipps

WIESBADEN (ine). Mut zur Niederlassung machte die Hausärztin und Psychotherapeutin Dr. Sabine Schlitt aus Frankfurt am Main jungen Ärztinnen auf dem Forum "Chances" beim Internisten-Kongress in Wiesbaden.

Schlitt praktiziert seit über 17 Jahren. Sie kennt alle Vor- und Nachteile. "Eine Praxisgründung ist kein Griff in den Honigtopf", sagte die Ärztin. Die Honorare seien längst nicht mehr so hoch wie noch vor einigen Jahren. Die Bürokratie habe zugenommen, ständig gebe es neue Vorgaben. "Über solche Dinge ärgere ich mich nicht mehr", sage Schlitt.

Sie rät Ärztinnen, die eine Praxis aufmachen wollen, sich auch nicht von den Äußerungen erfahrener Kollegen ins Bockshorn jagen zu lassen. "Oft wird nur über die Anzahl der Scheine gesprochen und über Patientenzahlen", erzählte Schlitt. Doch Arztsein bedeute mehr. "Ich habe als Hausärztin den direkten Kontakt zu den Patienten, es gibt Familien, die betreue ich schon seit vielen Jahren. Das macht mir Freude", sagte die Hausärztin. Sie habe sich auch deshalb niedergelassen, weil sie damit ihr eigener Chef ist. "Ich habe dank guter Organisation Mittwochnachmittag, abends und an den Wochenenden Zeit für die Familie - das sähe an einer Klinik anders aus."

Um auf dem Laufenden zu bleiben, pflegt sie zudem gute Kontakte zu anderen Haus- und Fachärzten. "Seien Sie keine Einzelkämpferin", rät sie. Frauen sollten sich vielmehr ruhig auch mal bei Männern etwas abschauen. Schlitt nannte als Beispiel die Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). "Männliche Kollegen haben oft ein besseres Selbstbewusstsein für Leistungen, die sie Patienten anbieten."

Frauen täten sich nach ihrer Erfahrung schwerer, wenn es darum geht, mit Patienten Preise auszuhandeln. "Haben Sie keine Skrupel, ihre Patienten für eine medizinische Leistung bezahlen zu lassen, wenn Sie vom Sinn der Leistung überzeugt sind", riet Schlitt.

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