Ärzte Zeitung, 23.05.2008
 

Klinik wird zum Gesundheitszentrum

Niedergelassene Ärzte und andere Anbieter nutzen in Mölln das Gebäude des ehemaligen Krankenhauses

Heute eine Praxisklinik: das frühere Krankenhaus von Mölln.

Fotos: di

MÖLLN. Klinikbetten raus, Praxen rein: Mit dieser Entwicklung konnte das frühere Krankenhaus von Mölln als Gesundheitszentrum erhalten werden. Heute ziehen die Beteiligten ein positives Fazit.

Von Dirk Schnack

Moderne Einrichtung, ausreichend Parkplätze vor der Tür, Aufzug für die Patienten - davon konnte Dr. Ingobert Werner an seinem früheren Praxisstandort in der Möllner Innenstadt nur träumen. An dem neuen Standort in der Möllner Praxisklinik genießt er diese Vorzüge genauso wie ein HNO-Arzt, zwei Kinderärzte, zwei Chirurgen und eine logopädische Praxis. Sie alle haben ihren Standort in dem früheren Krankenhaus bezogen.

Bereut hat Werner den Umzug nicht - im Gegenteil. Wenn er die Altersgrenze erreicht, dürfte seine Praxis für einen Nachfolger interessanter sein als zuvor am alten Standort. Möglich wurde die Möllner Praxisklinik erst, nachdem die benachbarten Krankenhäuser Ratzeburg und Mölln auf Kooperation statt auf Konkurrenz gesetzt hatten. Das städtische Haus in Mölln und das DRK-Krankenhaus im nur zehn Kilometer entfernten Ratzeburg einigten sich nach langem Konkurrenzkampf im Jahr 2000 auf eine Fusion.

Unwirtschaftlichkeit erzwingt Aufgabe eines Klinikstandorts

"Alle Beteiligten haben von den Veränderungen profitiert." Hans-Martin Kuhlmann Klinikgeschäftsführer

An der neuen Gesellschaft hält das DRK 60 Prozent, die Stadt Mölln 40 Prozent. Bald zeichnete sich ab, dass beide Standorte nebeneinander nicht wirtschaftlich zu betreiben sind - das kleinere Haus in Mölln mit 100 Betten wurde 2006 geschlossen. Zuvor war bereits die HNO-Praxis, deren frühere Räume durch einen Brand zerstört wurden, in den Klinikbau umgezogen.

Parallel dazu hatte der neue Geschäftsführer Hans-Martin Kuhlmann Verbindung zu den rund 40 Arztpraxen im Ort aufgenommen und deutlich gemacht, dass das Haus auf Kooperationen setzt. Nach der Schließung des Standortes stellte er dann das Konzept der Praxisklinik vor - und stieß auf positive Resonanz.

Mehrere Ärzte gaben ihren Standort in Mölln auf, um in die Praxisklinik umzuziehen. Attraktiv wurde das Angebot durch die gute Infrastruktur, ein von der Klinik zur Verfügung gestelltes Röntgengerät, die ortsübliche Miete zwischen sieben und acht Euro pro Quadratmeter und das Angebot, die neuen Räume beim Umbau individuell zuschneiden und gestalten zu lassen.

Auch bei anderen Akteuren aus dem Gesundheitswesen weckte die Praxisklinik Interesse. In wenigen Wochen belegen physikalische Therapie, ein Sanitätshaus, eine psychiatrische Tagesklinik, eine Podologin und eine Beratungsstelle weitere Flächen, so dass dann 4500 der insgesamt 5500 Quadratmeter belegt sein werden. Für die verbleibende Fläche will sich Kuhlmann in Absprache mit den Praxen gezielt nach ergänzenden Facharztdisziplinen umschauen. Bedarf sieht er etwa für einen psychologischen Psychotherapeuten und für einen Orthopäden.

Kommunikation zwischen den Berufsgruppen ist verbessert

"Wir haben alle von den Veränderungen profitiert", sagt Kuhlmann heute. Auch wenn in Mölln kein Krankenhaus mehr existiert, sieht er die stationäre Versorgung am Standort Ratzeburg durch eine moderne Aufnahmestation und erneuerte Funktionsdiagnostik verbessert. Ein Anbau ist bereits beantragt.

"Der Umzug in die Praxisklinik hat sich gelohnt." Dr. Ingobert Werner Allgemeinarzt in Mölln

Genauso wichtig ist aus Sicht Kuhlmanns aber, dass die Entwicklung in Mölln eine bessere Kommunikation zwischen den niedergelassenen Ärzten, der Klinik und anderen Beteiligten bewirkt hat. Der Klinikgeschäftsführer sieht darin die Voraussetzung, um regional die Potenziale der Gesundheitswirtschaft noch besser nutzen zu können. Dafür stehen nach seiner Einschätzung in der prosperierenden Region - das Herzogtum Lauenburg profitiert von der Nähe zu Hamburg - die Chancen sehr gut.

Ärzte bekunden Interesse an einer Anstellung im MVZ

Ein nächster Schritt könnte die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) sein. Kuhlmann kann sich vorstellen, dass die Klinik als Träger auftritt und Ärzte dafür anstellt. Noch vor wenigen Jahren, räumt der Geschäftsführer ein, hätte er dies als Doppelstruktur und aus Angst vor Konfrontation mit den Praxen abgelehnt. "Heute sind beide Seiten offener", sagt Kuhlmann. Erste Anfragen niedergelassener Ärzte, die sich an einem Möllner Klinik-MVZ anstellen lassen wollen, hat er schon.

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