Ärzte Zeitung, 26.05.2008
 

Hausärzte setzen Prävention in die Tat um

Dr. Ehlert Bredenbeck ist Initiator des Bremer Projekts Salutogenese /  Suche nach Kassen-Partner hat Jahre gedauert

BREMEN. Ärzte sollten für die Gesunderhaltung der Patienten bezahlt werden, findet Dr. Ehlert Bredenbeck, Hausarzt und Psychotherapeut in Gröpelingen im Westen Bremens. Weil die Gesundheitspolitik hier nur zögerliche Ansätze zeigt, hat er selbst das Programm Salutogenese entwickelt und die AOK davon überzeugt.

Von Christian Beneker

 Hausärzte setzen Prävention in die Tat um

"Der Hausarzt sollte eigentlich die Autorität haben, seine Patienten von der Couch zu holen." Dr. Ehlert Bredenbeck Hausarzt in Gröpelingen

Seit 1992 ist er Hausarzt in Gröpelingen, in seiner Praxis arbeiten vier Arzthelferinnen in Teilzeit und seit Januar ein Kollege. 600 Scheine im Quartal erbringt diese Arbeit. "Viel ist das nicht", räumt Bredenbeck ein, "aber mir ging es nie schlecht." Psychotherapie und Akupunktur haben das Budget stets aufgebessert.

Die Praxis befindet sich seit 1998 in einer Stadtvilla, die an der belebtesten Straße des Viertels liegt. Menschen vieler Nationalitäten bevölkern das Viertel nahe des alten Bremer Hafens.

Am liebsten wäre es dem Arzt, er müsste gar nicht erst heilen

Er erzählt von der ersten Patientin, die er 1998 in den Räumen seiner damals neu bezogenen Praxis behandelte. Eine alte Dame, Schmerzpatientin. "Sie kannte das Haus gut", sagt Bredenbeck. Das war auch eine Begegnung mit den schmerzhaften Erfahrungen eines langen Lebens. "Nach der Behandlung habe ich gemerkt, dass man hier auch heilen kann", sagt Bredenbeck

Aber am liebsten wäre es ihm, wenn er gar nicht erst heilen müsste. "Mir geht es darum, die Patienten anzusprechen, wenn sie noch nicht krank sind", erklärt er. Viele sind einigermaßen gesund, ein bisschen zu dick vielleicht, ein bisschen zu unbeweglich, und manchmal zwickt es im Rücken. "Der Hausarzt sollte eigentlich die Autorität haben, seine Patienten von der Couch zu holen."

Schon vor Jahren hatte Bredenbeck die Idee zu dem Projekt "Saluto". Das Kürzel nimmt den Begriff "Salutogenese" auf und meint Gesundherhaltung. Inspiriert von der "chinesischen Art der Ärztevergütung", wie Bredenbeck sagt, nämlich der Honorierung bei Gesundherhaltung der Patienten, wollte Bredenbeck auch in Deutschland versuchen, die Verhältnisse an diesem Punkt zu drehen.

Seine Idee: Der Hausarzt erhält von der Kasse GOÄ-Honorare für Beratungsgespräche, in denen er seine Patienten überzeugt, an einem Rückenschulungsprogramm teilzunehmen oder an einer Sportgruppe. Acht Mal im Jahr führt der Arzt ein solches Gespräch mit den teilnehmenden Patienten, und die Gruppenmitglieder erhalten als Lohn und Anreiz kleine Prämien von der Kasse.

Mehrere Jahre suchte Bredenbeck eine Kasse, die das Projekt unterstützen würde. In der AOK Bremen/Bremerhaven fand er sie. Seit vergangenem Jahr läuft das Programm von 18 Gröpelinger Praxen in Zusammenarbeit mit dem Sportverein TURA in Bremen-Gröpelingen und der Bremer AOK.

Wenn nicht mehr nur kranke Patienten vom Hausarzt behandelt werden, sondern noch Gesunde neue Lebensbereiche erobern und sich so gesünder erhalten können, dann werde auch der ganze Mensch ein anderer, meint Bredenbeck. Aber: "Unser System funktioniert nicht so. Wenn ich als Arzt auch ein guter Kaufmann sein will, dann brauche ich kranke Menschen und keine Gesunden." Würden etwa ein Prozent der Beiträge für die Prävention ausgegeben, "dann haben Programme wie Saluto eine größere Zukunft".

Inzwischen fahren die Gröpelinger Ärzte und etwa 50 Noch-nicht-Patienten erste Früchte ein. "Die Übergewichtigen leiden nicht mehr so unter Schamgefühl und nehmen ab, die Teilnehmer der Rückengruppe haben weniger Beschwerden", so Bredenbeck. Den Patienten, die ebenfalls ihre Geschichte buchstäblich mit sich herumschleppen, geht es offenbar rundum besser. Bald soll das Projekt in Bremen-Arsten gestartet werden.

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