Ärzte Zeitung, 25.07.2008
 

UND SO SEH´ ICH ES

Der Wegfall der Altersgrenze - ein Bundestagswahlgeschenk für Ärzte?

Manches Problem scheint dem normalen Bürger einfach lösbar - und ist es de facto auch. Für den Politiker aber ist es kompliziert, manchmal sogar unmöglich. Das liegt nicht allein an den Unzulänglichkeiten unserer Politiker, wie manch einer denken mag, sondern oft verhindern durchaus gesetzliche, administrative, politische und Gott weiß, welche Zwänge sonst noch, einfache Lösungen.

Seit Jahren redet die Öffentlichkeit über den Ärztemangel, insbesondere in ländlichen Gebieten, seit Jahren berichtet die lokale Presse von Anstrengungen verschiedener Landräte und Bürgermeister, die mit allen möglichen Lockmitteln, wie freie Wohnung und Praxisräume sowie materielle Anfangshilfen, den Ärzten eine Niederlassung schmackhaft machen wollen - wobei alle Mühen meistens vergeblich sind.

Die Unterversorgung ist in den Köpfen der Politiker angekommen.

Trotzdem mussten Ärzte, die das 68. Lebensjahr erreicht hatten und gleichzeitig schon 20 Jahre lang Vertragsarzt der gesetzlichen Krankenversicherung waren, ihre Praxistätigkeit aufgeben - selbst wenn sie keinen Nachfolger fanden und weiterhin ihren geliebten Beruf ausüben und nicht zuletzt ihre Patienten nicht im Stich lassen wollten. Alle Bemühungen sowie Klagen vorm Sozialgericht endeten stets negativ. Ein Gesetz stand sowohl ihren als auch den Wünschen der Bevölkerung entgegen. Wie sagt ein lateinisches Sprichwort so treffend: dura lex, sed lex - ein hartes Gesetz, aber Gesetz!

Von Jahr zu Jahr hat sich die Situation verschlechtert, ganze Gebiete wurden arztfrei. Die dort lebenden Kranken waren gezwungen, immer wieder unzumutbar weite Wege zu gehen, um medizinische Hilfe zu bekommen. Man könnte meinen, wir wohnten in einem unterentwickelten und nicht in einem hochzivilisierten Land.

Langsam erst schrillen bei den Verantwortlichen die Alarmglocken. Viel zu lange hat man seitens der Politik die Dramatik einer fehlenden medizinischen Versorgung negiert. Ganz unverhofft hat die Regierungskoalition in Berlin nun angekündigt, dass die bisherige Zwangsverrentung der Ärzte nächstes Jahr wegfallen soll.

Diesmal gibt es wohl ein Zauberwort, eins, das sich "Nächstes Jahr haben wir Bundestagswahlen" nennt. Dieses Zauberwort macht vieles möglich. Und die Ärzte hoffen deshalb, dass sie die Worte der Koalitionspolitiker jetzt endlich für bare Münze nehmen können.

Ihr Ironius

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