Ärzte Zeitung online, 11.08.2008

Versicherer umwerben Ärzte mit Dread-Disease-Policen

KÖLN (frk). Besonders Ärzte und andere Freiberufler werden derzeit verstärkt von Versicherungsvertretern auf so genannte Dread-Disease-Policen angesprochen. Diese Versicherungen leisten bei schweren Krankheiten wie Krebs oder Herzinfarkt und sollen eine Alternative zu einem Berufsunfähigkeitsschutz bieten. Verbraucherschützer raten aber zur Vorsicht.

Foto: Thomas Aumann©www.fotolia.de

In der Regel befinden sich 30 bis 40 schwere Krankheiten im Leistungskatalog der Gesellschaften. Wird eine dieser Erkrankungen beim Versicherungsnehmer diagnostiziert, erhält er die vereinbarte Summe - meist zwischen 100 000 und 200 000 Euro - als Einmalbetrag.

"Dread-Disease-Policen eignen sich besonders für Freiberufler wie Ärzte", sagt Philipp Gruhn vom Versicherer Gothaer, der Verträge gegen schwere Krankheiten anbietet. Denn im Krankheitsfall haben die Mediziner viel zu verlieren. So kann in der Arztpraxis der Ausfall der tragenden Arbeitskraft existenzbedrohend sein.

Eine Dread-Disease-Versicherung könne bei Personen, die wie Ärzte nicht schwer körperlich arbeiten, sinnvoller sein als eine Berufsunfähigkeitspolice, glaubt Thomas Lerch vom Dread-Disease-Anbieter Canada Life. "Der Kunde muss schon sehr schwer angeschlagen sein, bevor der Versicherer leistet", sagt er. So belastet ein überstandener Herzinfarkt den Arzt zwar, macht ihn aber nicht unbedingt berufsunfähig. Der Dread-Disease-Versicherer zahlt trotzdem.

"Eine Dread-Disease-Versicherung kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht ersetzen", sagt dagegen Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Um in der Werbung die besten Showeffekte zu erzielen, leiste die Dread-Disease-Versicherung vor allem bei populären Angstmachern wie Krebs oder Herzinfarkt, sagt Boss. Die spielten bei Frühinvalidität aber kaum eine Rolle. Es sind vorrangig Erkrankungen der Wirbelsäule und psychische Probleme, die zum Verlust der Arbeitskraft führen. Diese Leiden decken die Dread-Disease-Policen oft nicht ab. Die Versicherungsnehmer müssten daher Zusatzbausteine kaufen, um derartige Lücke zu stopfen.

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