Ärzte Zeitung online, 30.10.2008

Neuer Trend: Ärzte suchen sich griffige Praxisnamen

Neu-Isenburg (di). Sie nennen sich Dermato- oder Onkologikum: Immer mehr Praxen verzichten auf konventionelle Bezeichnungen. Vier Orthopäden aus Kiel sammeln seit fünf Jahren gute Erfahrungen mit ihrem Orthopaedicum.

Orthopaedicum: Unter diesem Namen haben sich Dr. Sönke Sönnichsen, Dr. Burkhard Stünitz, Dr. Hauke Jensen und Dr. Rainer Utermann vor fünf Jahren zu einer Gemeinschaftspraxis zusammen getan.

Inzwischen finden Patienten diese Bezeichnung, zum Teil in anderer Schreibweise, unter anderem in Schleswig, Hamburg, Frankfurt und im Allgäu - ohne dass die Ärzte an diesen Standorten miteinander zu tun haben. Bereut haben die Kieler Orthopäden ihren Praxisnamen dennoch nicht.

Als sie vor fünf Jahren ihre Praxis gründeten, suchten sie nach einem griffigen Namen, für den ihre Arzthelferinnen nicht bei jedem Telefonat alle vier Nachnamen der Ärzte herunterrattern müssen. Ihre eigenen Überlegungen mit Abkürzungen verwarfen sie schnell wieder. "Wir kamen auf keinen gemeinsamen Nenner", erinnert sich Sönnichsen. Stattdessen beauftragten die Ärzte eine Werbeagentur mit der Namensfindung. Orthopaedicum gefiel allen Beteiligten. "Der Name ist einpräg-sam. Wir haben versucht, ihn schützen zu lassen - das ist uns aber nicht gelungen", berichtet Sönnichsen.

Dass die Idee inzwischen häufig kopiert wurde, bestärkt sie in dem Glauben, die richtige Wahl getroffen zu haben. In Kiel und im Einzugsbereich der umliegenden Kreise ist der Name inzwischen bekannt.

Ganz unproblematisch ist die Wahl des Namens nicht. Zwar besteht seit Liberalisierung des Berufsrechtes kein ausdrückliches Verbot, aber es gibt Risiken. "Wir können solche Namen nicht verbieten, aber wir warnen davor", sagt Justitiar Hans-Peter Bayer von der Ärztekammer Schleswig-Holstein.

Denn wenn ein Kollege mit gleichem Leistungsspektrum im Einzugsgebiet wettbewerbsrechtlich gegen den Namen vorgeht, könnte es vor einem Zivilgericht Probleme geben. Ähnliches gilt für andere Namen, die etwa auf ein Zentrum der jeweiligen Fachrichtung und damit auf eine Alleinstellung hindeuten. Manche Ärzte erkundigen sich vor der Namensgebung in der Kammer und verzichten auf ihre Wahl, um keine Probleme mit Kollegen zu riskieren.

Diese hat es in Kiel nicht gegeben. Ohnehin wollen die vier Orthopäden den Namen einer Praxis nicht überbewerten. "Das ist nur eine Worthülse. Es ist an uns, sie mit Leben zu füllen. Wir müssen Kompetenz und Service bieten", sagt Sönnichsen. Auch soll der Name nicht darüber hinweg täuschen, dass dahinter vier Ärzte mit unterschiedlichen Interessen, Schwerpunkten und Stärken stecken.

Sönnichsens Steckenpferde etwa sind die Kinderorthopädie und Sportmedizin, Utermann beschäftigt sich viel mit Akupunktur und Osteologie, Jensen mit Psychosomatik und Akupunktur, Stünitz mit der operativen Orthopädie. "Jeder Patient kann sich aussuchen, welcher Arzt ihm am besten passt", sagt Sönnichsen. Aber die Gemeinschaftspraxis hat auch die Erfahrung gemacht, dass sich die Patienten bei Urlaub eines Arztes leichter damit tun, einen anderen Arzt des Orthopaedicums aufzusuchen.

Wichtiger als der Name ist aus Sicht der Orthopäden auch die Zusammenarbeit mit den Hausärzten. Hier hat sich ausgezahlt, dass sie dank moderner Technik noch am Tag der Untersuchung einen Arztbrief an den zuweisenden Kollegen schicken können. "Oft ist der Hausarzt schon informiert, während sich der Patient noch anzieht", sagt Sönnichsen. Die Pflege der zuweisenden Ärzte hält er für wichtig, immerhin kommt jeder zweite Patient per Überweisung in die 480 Quadratmeter große Praxis im Gesundheitszentrum Kiel-Mitte.

Auch Stefan Hoch von der Beratungsfirma Frielingsdorf & Partner hält den Namen einer Praxis zwar für wichtig, damit sich Ärzte aus der Masse abheben können. Aber: "Die Namensfindung sollte in ein schlüssiges Gesamtkonzept eingebunden sein. Auch andere Komponenten wie etwa Service müssen stimmen."

[05.08.2009, 12:37:46]
Susanne Binder 
neue Entwicklungen
Die Wahl von Praxisnamen wird in immer mehr Bereichen durch aktuelle Gerichtsurteile ermöglicht.

Weitere Beispiele:
http://blog.lex-medicorum.de/2009/07/07/hausarztzentrum-und-andere-praxisnamen/ zum Beitrag »

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