Ärzte Zeitung online, 05.01.2009

Nordrheins Urologen warnen vor dem Aus der wohnortnahen Versorgung

KÖLN (iss). Die Urologen in Nordrhein warnen vor einer Bedrohung der wohnortnahen fachärztlichen Versorgung durch die neuen Regelleistungsvolumina. Ein Budget von 26,05 Euro für drei Monate Patientenversorgung beim niedergelassenen Urologen sei "absurd niedrig", kritisierte die Uro-GmbH Nordrhein, die Managementgesellschaft der nordrheinischen Urologen.

Gesellschafter der Uro-GmbH sind neun regionale Netze von Urologen, die mit knapp 300 Mitgliedern rund 80 Prozent der niedergelassenen Urologen in der Region vertreten. Ziel der neuen Gesellschaft ist es nach eigenen Angaben, die Ärzte in den beteiligten Netzen mit gebündeltem Know-how sowie Serviceangeboten in den Bereichen Praxismanagement, Arztrecht, Fortbildung, Vertragsgestaltung und Abrechnung zu unterstützen. Die Urologen seien eine kleine Fachgruppe, die nur zwei Prozent aller Vertragsärzte ausmacht, sagt Dr. Wolfgang Rulf, niedergelassener Urologe aus Erkrath und einer der beiden ärztlichen Geschäftsführer der GmbH. "Die Kassenärztliche Vereinigung kann uns bei Weitem nicht so zielgerichtet und schlagkräftig vertreten wie eine eigene urologische Managementgesellschaft", so Rulf.

Der Urologe bezeichnete das angekündigte Honorarplus von 2,5 Milliarden Euro für die niedergelassenen Ärzte als "genialen Schachzug des Bundesgesundheitsministeriums". "Damit nimmt man unseren Protesten den Wind aus den Segeln, verteilt das Geld an politisch bevorzugte Gruppen und bereitet still den Tode der wohnortnahen fachärztlichen Versorgung vor."

Die Uro-GmbH fordert eine Offenlegung der Kalkulation der Regelleistungsvolumina. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) habe jahrelang die betriebswirtschaftliche Kalkulation als Grundlage des ärztlichen Honorars bezeichnet, sagte der kaufmännische Geschäftsführer der Gesellschaft, der Praxisberater Oliver Frielingsdorf. Die KBV habe Millionen Euro in ausländische Kalkulationsmodelle und inländische Planungsgruppen investiert, nur um sie jetzt in den Papierkorb zu befördern. "Politische Punktwerte, die jeglichen Bezug zur betriebswirtschaftlichen Realität verloren haben, sind das Ende jeder modernen Facharztpraxis", kritisierte Frielingsdorf.

Die Uro-GmbH setzt beim Protest gegen die Folgen der Vergütungsreform auf den überregionalen Zusammenschluss mit anderen fachärztlichen Gruppierungen. "Wir werden aber auch konsequente Kampfhandlungen zum Erhalt der flächendeckenden fachärztlichen Versorgung nicht scheuen", betonte Rulf.

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