Ärzte Zeitung, 15.01.2009

Rechtschutz für Patienten im Streit mit Ärzten

KÖLN (iss). Mit einem bisher einzigartigen Patientenrechtschutz will die Versicherungsgruppe Ergo die Position von Patienten nach Behandlungsfehlern stärken. Versicherte erhalten damit Schutz bei Rechtsstreitigkeiten mit Ärzten, Kliniken, Heilpraktikern oder anderen Behandlern.

"Die Kunden erwarten in solchen Fällen Unterstützung, als Krankenversicherer stoßen wir dabei aber schnell an aufsichtsrechtliche Grenzen", sagt Dr. Elmar Terhorst, bei Ergo zuständig für die Entwicklung des Produkts, der "Ärzte Zeitung".

Anbieten werden es die beiden Ergo-Rechtschutzversicherer D.A.S und Hamburg-Mannheimer. Die Police richtet sich ausschließlich an Kunden der Deutschen Krankenversicherung (DKV) und der Victoria Kranken, egal ob sie eine Voll- oder eine Zusatzversicherung abgeschlossen haben. Die einzige Ausnahme sind Auslandsreisekrankenversicherungen. Eine Risikoprüfung gibt es beim Patientenrechtschutz nicht, ebenso wenig eine Wartezeit. Die Police deckt Kosten bis zu 300 000 Euro pro Fall, sie enthält einen Selbstbehalt von 150 Euro.

Der Spezialrechtschutz kostet 54 Euro im Jahr, versichert sind auch Familienangehörige. Er deckt die Kosten für Rechtsstreitigkeiten mit Behandlern in ganz Europa plus den Mittelmeeranrainerstaaten ab. Erfasst sind auch medizinisch nicht indizierte Eingriffe wie Schönheitsoperationen. Gerade sie erfolgen immer häufiger im Ausland. "Solche Behandlungen fallen zwar nicht in den Versicherungsschutz der Krankenversicherer, die Folgekosten in der Regel aber schon", sagt Terhorst.

"Unser Ansinnen ist es nicht, Patienten gegen Ärzte aufzuhetzen", betont Terhorst. Es gehe darum, den Kunden in der Krankenversicherung im Falle von Behandlungsfehlern Chancengleichheit mit den Behandlern zu verschaffen.

D.A.S und Hamburg-Mannheimer kooperieren mit einem Netzwerk von Juristen, die Versicherten sind in der Wahl des Anwalts aber frei. In der Erstberatung sollen die Patienten immer auf die Möglichkeit der außergerichtlichen Schlichtung hingewiesen werden, sagt Terhorst. "Häufig wissen die Patienten das nicht." Er hofft, dass im ersten Vertriebsjahr "mehrere 10 000 Policen" verkauft werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »

Mit Geriatrietests zur Diabetestherapie à la carte

Der eine ist fit, der andere gebrechlich: Alte Menschen mit Typ-2-Diabetes brauchen individuelle Therapieformen. Ein Geriater gibt Tipps. mehr »