Ärzte Zeitung, 03.02.2009

Auch bei den Physiotherapeuten sind die goldenen Zeiten vorbei

Nicht viel besser als den niedergelassenen Ärzten geht es in Deutschland den Physiotherapeuten. Ihr Umsatz geht seit Jahren zurück.

Von Antonia von Alten

Es bleibt dabei: Physiotherapie ist nur als persönliche Dienstleistung möglich. 42 Prozent der Kosten einer Praxis entfallen deshalb auf Personal.

Foto: BKK

Immer weniger Geld verdienen selbstständige Physiotherapeuten mit Leistungen für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die Berufsgenossenschaften (BG, gesetzliche Unfallversicherung). Das belegen Daten der aktuellen Wirtschaftlichkeitsumfrage des Bundesverbandes selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) unter seinen Mitgliedern.

Der durchschnittliche Gesamtumsatz eines selbstständigen Physiotherapeuten ist von 2003 bis 2008 um 7,6 Prozent auf 193 412 Euro pro Jahr zurückgegangen. Der Anteil der GKV- und BG-Leistungen daran betrug 75 Prozent, 2002 waren es noch 79 Prozent. "Ohne Privatpatienten müssten viele Praxen schließen", so IFK-Vorstandsvorsitzende Ute Repschläger. 21 Prozent erwirtschaften die Physiotherapeuten über PKV-Patienten, nur vier Prozent über Prävention, Wellness und den Verkauf von Produkten.

Die Folgen der Umsatzeinbußen sind weitreichend: Es werden weniger Vollzeitkräfte beschäftigt und auf Investitionen in die Praxis verzichtet. Die Zahl der physiotherapeutischen Einzelpraxen ist im Jahr 2008 zwar angestiegen. 2005 waren 74 Prozent alle Physiotherapeuten von einem einzigen Inhaber geführt, 2008 stieg der Anteil auf fast 80 Prozent an. Die durchschnittliche Praxisgröße ist aber gesunken und alles deutet nach der Umfrage der IFK darauf hin, dass zahlreiche Kleinstpraxen im Bereich der Exstenzgründer neu auf den Markt gekommen sind, "zum Teil wohl auch, um der Arbeitslosigkeit zu entfliehen".

Auf der Ausgabenseite bleibt es seit Jahren dabei: Die Physiotherapie ist nur mit persönlicher Dienstleistung zu erbringen, daher sind die Personalkosten mit unverändert knapp 42 Prozent der größte Ausgabenblock, es folgen Ausgaben für Praxisräume von knapp neun Prozent. Zum Vergleich: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes betrugen in Arztpraxen im Jahr 2003 die Personalkosten 25 Prozent des Umsatzes, die Raumkosten etwa sechs Prozent.

Um den Umsatzrückgang aufzufangen, bieten viele Praxen zusätzlich Präventions- und Wellnessleistungen an. Mehr als ein Drittel der Praxen haben ein ausgegliedertes Gewerbe für Prävention angemeldet, etwa 14 Prozent sind in integrierte Verträge eingebunden.

Die IFK-Wirtschaftlichkeitsumfrage deckt auch im Jahr 2008 die zentralen Probleme der physiotherapeutischen Praxen auf. "Therapeuten setzen nach wie vor auf eine hohe Qualität der Patientenversorgung, die Vergütungsstrukturen sind aber immer unzureichender", fasst Ute Repschläger zusammen.

Der IFK erhebt seit 2000 alle zwei bis drei Jahre per Fragebogen Daten zur Wirtschaftlichkeit der Praxen seiner Mitglieder. In Deutschland gibt es rund 30 000 selbständige Physiotherapeuten. Davon sind 5000 Mitglieder im IFK.

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