Ärzte Zeitung, 16.06.2009

Der Umgang mit Journalisten will gelernt sein

Mit einer gelungenen Pressearbeit können Praxischefs es schaffen, sich und ihr Team vor pauschalen Anschuldigungen von Patientenseite zu schützen, wenn die Medien mal wieder gegen Ärzte schießen. Pressearbeit können Ärzte zum Beispiel in Seminaren lernen.

Von Sabine Schiner

Ärzte sind nicht nur im Lokalfunk gefragte Ansprechpartner für Gesundheitsthemen.

Foto: Vladimir Mucibabic©www.fotolia.de

Ärzte stoßen zunehmend in den Medien auf Gegenwind, etwa, wenn es um das Debakel der Honorarreform geht. Schnell kann es dann passieren, dass Patienten Unmut in die Praxis tragen und mediale Aussagen auf das Praxisteam übertragen. Hier ist Prävention angesagt - im Sinne von Pressearbeit für die Praxis.

Wichtig ist, das Anliegen deutlich zu transportieren

Pressearbeit kann man lernen. Voraussetzung für eine gelungene Öffentlichkeitsarbeit ist, dass Journalisten verstehen, was Ärzte ihnen mitteilen wollen. Das Problem: In vielen Redaktionen wurde in den vergangenen Jahren Personal abgebaut. Redakteure haben somit immer weniger Zeit, Informationen, die sie bekommen, für ihre Leser aufzubereiten.

"Signalisieren Sie uns gute Themen und Ansprechpartner, dann berichten wir auch darüber", sagte Matthias Röder, Leiter des Landesbüros Hessen der Deutschen PresseAgentur (dpa), kürzlich auf dem 3. Frankfurter Forum für Gesundheitskommunikation.

"Katastrophal" kommen seiner Meinung nach Pressemitteilungen an, die sich nicht an eine breite Öffentlichkeit richten. "Uns interessieren in der Regel nicht die Bilanzen oder ein Personalwechsel in der Chefarztetage." Interessanter seien die Geschichten dahinter: Etwa über die Logistik der Klinik-Apotheke. Auch aus der einzelnen Arztpraxis können spannende Themenanreize kommen. Ankommen würden Gesundheitsthemen auch immer dann, wenn es um den Geldbeutel der Menschen geht. "Wenn die Krankenversicherung wieder teuerer wird, dann berichten wir darüber."

Beim privaten Fernsehsender RTL in Köln landen nur Neuigkeiten, die auch einen Gebrauchswert haben. "News to use ist das Stichwort", so RTL-Redakteur Mark Kohlbecher. "Unsere Nachrichten sollen den Zuschauern auch etwas bringen." Zudem müssten in den Berichten Emotionen transportiert werden. "Wenn wir über eine Krankheit berichten, müssen wir auch Patienten zeigen, die daran leiden." Ansonsten, so die Erfahrung des TV-Redakteurs, habe die Berichterstattung über Gesundheitsthemen bei seinem Sender deutlich abgenommen. "Früher gab es in ‚RTL aktuell‘ jeden Tag ein Gesundheitsthema, heute ist das selten geworden."

"Man braucht zu jeder Geschichte ein Gesicht" - diese Erfahrung hat Gabriele Eberle gemacht. Sie ist für die Öffentlichkeitsarbeit des Gesundheitskonzerns "MediClin" in Offenburg zuständig. Besonders gut laufen ihrer Meinung nach Themen wie Wellness, Gesundheit und Ernährung, wenn die Themen "kompetent nach außen vertreten werden". Einige Ärzte des Konzerns - zu "MediClin" gehören bundesweit 33 Akut- und Rehakliniken, sieben Pflegeeinrichtungen und vier Medizinische Versorgungszentren - haben deshalb ein spezielles Medientraining hinter sich. "Wir haben dazu einen Rundfunk-Nachrichtensprecher ins Haus geholt", so Gabriele Eberle. Er übte mit den Chefärzten ein, wie knappe und präzise Statements gemacht werden - für einen Beitrag im Rundfunk oder Fernsehen bleiben ihnen im Schnitt etwa 20 Sekunden, um das Wichtigste zu vermitteln.

Auch Detlef Hans Francke von der Agentur "FuP Kommunikation" bietet Workshops an, in denen Ärzte lernen, wie sie unter Zeitdruck und in schwierigen Situationen einen "kühlen Kopf" behalten können. "Krisen kommen meist überraschend und man muss sofort reagieren", sagt Francke. Ein negatives Medienecho rührt nach Einschätzung der Schweizer Beraterin Karin Müller auch daher, dass viele Journalisten zu wenig von der Komplexität der Themen verstehen. "Damit handelt es sich um ein klassisches Kommunikationsproblem", so Müller im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Abtauchen ist in der Krise die schlechteste Alternative

Grundsätzlich gelte für die Pressearbeit: Nichts verheimlichen und auch in schwierigen Situationen jederzeit für Interviews zur Verfügung stehen. Dies gelte für den Chef einer Praxis in einer Großstadt ebenso wie für einen auf dem Land niedergelassenen Arzt: "Ein Landarzt ist normalerweise sogar noch mehr in sein Umfeld eingebettet. Man kennt ihn. In einer Klinik in der Großstadt können Verantwortliche noch eher abtauchen. Auf dem Land geht das nicht."

www.fup-kommunikation.de und www.km-kommunikation.ch

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