Ärzte Zeitung, 14.07.2009

Drei Monate auf Bewährung für nicht erkannten Infarkt

Allgemeinarzt wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

NEU-ISENBURG (juk). Der medizinische Fortschritt ist auch ein Fluch für Ärzte. Inzwischen müssen Mediziner im Notdienst damit rechnen, bei Diagnosefehlern, etwa bei nicht erkanntem Herzinfarkt, wegen fahrlässiger Tötung angeklagt zu werden.

Drei Monate auf Bewährung für nicht erkannten Infarkt

Foto: Ärzte Zeitung

Diese bittere Erfahrung machte ein Hausarzt: Er wurde vom Landgericht Potsdam zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung. Der Schuldspruch, der rechtskräftig ist: fahrlässige Tötung durch Unterlassen (Az.: 27 Ns 96/07).

Der Arzt war während des kassenärztlichen Notdienstes zu einer 44-Jährigen gerufen worden, die einen akuten Herzhinterwandinfarkt erlitten hatte. Trotz Übelkeit, Rückenschmerzen und Schmerzen im linken Arm verwarf der Arzt eine differenzialdiagnostische Abklärung und wies die Frau auch nicht in eine Klinik ein. Sie starb.

Nach Aussagen von Juristen zeigt das Urteil beispielhaft, wie der medizinische Fortschritt den Ärzten auch immer mehr Verantwortung aufbürdet. "Je weiter die Technik voranschreitet, desto mehr erwartet man vom Arzt, dass er sich diesem Stand anpasst, auch bei der Diagnose", sagt Strafrechtler Uwe Lehnhart.

Früher scheiterte die Verurteilung eines Mediziners bisweilen an der Kausalität für den Tod des Patienten. Das Argument: Auch bei einer zutreffenden Diagnose wäre es schlecht um den Patienten bestellt gewesen. Selbst wenn die richtigen Hilfsmaßnahmen ergriffen worden wären, hätte er den Infarkt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht überlebt. Heute dagegen habe sich etwa die kardiologische Versorgung erheblich verbessert und damit die Überlebenswahrscheinlichkeit des Betroffenen.

Lesen Sie dazu auch:
Arzthaftpflicht wird für Praxischefs teurer

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Rückenmark-Stimulation lässt Gelähmten gehen

Obwohl er querschnittsgelähmt ist, konnte ein Mann wieder einige Schritte gehen - dank der elektrischen Rückenmark-Stimulation. Von Heilung wollen die Ärzte aber nicht sprechen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Das ist bei einer Datenpanne zu tun

Bei einem Datenleck in der Praxis sind Inhaber nach der Datenschutzgrundverordnung verpflichtet, dies zu melden. Wem und wie, das erläutern Medizinrechtler. mehr »