Ärzte Zeitung, 03.11.2009

Schweinegrippe: Bei der Impfaktion hakt es in den Praxen noch an vielen Details

Der Start der Impfaktion gegen die Neue Grippe verläuft auch in Praxen, die impfen, nicht ganz glatt. Vor allem an vielen Details hakt es noch etwas. Die "Ärzte Zeitung" hat sich in Arztpraxen umgehört.

Von Hauke Gerlof

zur Großdarstellung klicken

Eine Patientin lässt sich am Montagmorgen im Gesundheitsamt im Hamburger Stadtteil Altona gegen die Schweinegrippe impfen.

Foto: dpa

Neu-Isenburg. Das größte Problem für die Praxisorganisation ist es, dass innerhalb von 24 Stunden zehn Impfwillige gefunden werden müssen. Viele Arztpraxen sammeln offenbar Anfragen von Patienten. Sobald zehn Anfragen zusammengekommen sind, werden die Patienten dann kontaktiert und einbestellt. Der Zeitaufwand und die Kommunikationskosten sind in der Impfpauschale mit abgegolten, klagen Mitarbeiter aus mehreren Arztpraxen in der Rhein-Main-Region. Und die Pauschale sei ohnehin schon niedriger bemessen als bei anderen Impfungen.

Auch sonst herrscht zum Auftakt der Impfaktion in vielen Praxen offenbar der Eindruck vor, dass die Impfaktion nicht in allen Details richtig gut durchgeplant ist. Wer als Impfwilliger in die Praxis kommt, erhält zum Beispiel ein doppelseitig bedrucktes Aufklärungsformular, das am Ende unterschrieben und mit den üblichen Kreuzchen versehen an die Praxis zurückgegeben werden muss - im Prinzip so wie bei der saisonalen Influenza-Impfung.

"Wir haben nur ein einziges Formular bekommen, doppelseitig bedruckt, und müssen jetzt sehen, dass wir das über unseren Kopierer vervielfältigen", klagt eine Arzthelferin aus einer Hausarztpraxis in Frankfurt-Sachsenhausen. Das sei "unnötiger Aufwand", so die Arzthelferin, der ebenfalls nicht vergütet werde.

Nicht ganz durchdacht erscheint ihr auch die Vorgehensweise bei der Dokumentation. Es würden nur zehn Aufkleber für Impfpässe mitgeliefert. Aber zum einen sei bei anderen Impfungen auch immer noch ein Klebchen für die eigene Dokumentation in der Praxis dabei. Zum anderen gebe es sofort ein Problem, wenn kleine Kinder unter den Impflingen seien. Diese sollen nach STIKO-Empfehlungen zwei Impfungen erhalten mit je einer halben Erwachsenen-Dosis. Dementsprechend fehle es dann natürlich auch an Impfbesteck, wenn kleine Kinder geimpft würden.

Lesen Sie dazu auch:
RKI: Schweinegrippe-Welle baut sich in Deutschland auf
Schweinegrippe: Viele Ärzte stehen zwischen Verunsicherung und Impfskepsis


Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Debatte um Schweinegrippe am Wendepunkt?

Weitere aktuelle Berichte, Bilder und Links zum Thema Schweinegrippe (Neue Grippe) finden Sie auf unserer Sonderseite

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[03.11.2009, 17:42:45]
Gabriele Wagner 
Meldung des Arzneitelegramms
Die Meldung des Arzneitelegramms, auf die sich Klaus Bovelet in seinem Kommentar bezieht, steht hier: http://www.arznei-telegramm.de/zeit/zeit_a.php3

Klaus Bovelet irrt, wenn er schreibt, aus der Meldung ginge hervor, dass schon 2007 ein Impfstoff gegen Schweinegrippe bestellt worden sei.
Leider wird allgemein Pandemie mit Schweinegrippe gleich gesetzt. Das ist falsch. Das Wort "Pandemie-Impfstoff" bezieht sich nicht auf einen bestimmten Erreger.

Die anderen Aussagen will ich nicht kommentieren; sie fallen unter die Meinungsfreiheit.

Gabriele Wagner
Ärzte Zeitung
Ressortleiterin Online / Newsroom zum Beitrag »
[03.11.2009, 17:00:30]
Klaus Bovelet 
Schweinegrippe...
... es hakt nicht nur an Details, sondern noch am wesentlichen... nämlich dem tieferen Sinn der ganzen Aktion!
Man stelle sich vor, da wird eine "neue" Virus-Spezies gezüchtet (quasi ein - noch - harmloser Abkömmling der spanischen Grippe) um sich in einem beispiellosen Großversuch an einer nicht informierten Bevölkerung wirtschaftlich zu sanieren (nach dem Motto: irgendwie müssen wir ja die Wirtschaftskrise meistern). Die Pharmaindustrie war ja schon immer sehr erfinderisch im Marketing, schließlich geben sie ja dafür das meiste Geld aus, viel weniger als für die Forschung.
Sollte das Virus mutieren wird der Impfstoff nicht helfen, die Grippeimpfungen der letzten Jahre gingen schließlich auch mehr oder weniger ins Leere. Was auf jeden Fall passiert, ist die Vergiftung von (ich hoffe nicht) Millionen von Menschen mit Quecksilber (Thiomersal) und Nano-Partikeln die in ihrer Auswirkung noch nicht abzuschätzen sind, wobei die bekannten Infomationen schon ausreichen sollten diese nicht großflächig zu verabreichen. Ein Großversuch, der nur einem mit Sicherheit helfen wird... der Pharmazie.
Merkwürdig in diesem Zusammenhang ist die Meldung (siehe Arzeitelegramm) dass bereits 2007 (!!!) die Verträge der Regierung mit dem Pharmakonzern über die Lieferung von 50 Mio. Dosen des Impfstoffes gegen Schweinegrippe (wir haben Hellseher in der Regierung!) gemacht wurden... Schweinerei oder Verdummung?  zum Beitrag »
[03.11.2009, 11:53:40]
Renita Bublies 
fragwürdige Illustration
Das den Artikel illustrierende Foto der dpa ist leider in seiner "Nacktheit" irritierend.

Soweit ich weiß, handelt es sich bei der Schweinegrippe-Impfung um eine intramuskuläre Injektion. Sollte es da nicht selbstverständlicher Hygienestandard sein, dass der Arzt dabei Handschuhe trägt? Gerade von einem Gesundheitsamt (lt. Bildtitel) erwarte ich in dieser Hinsicht sogar Vorbildlichkeit. Oder wurde das Foto für den Fotografen gestellt?

Es mag sich um eine Kleinigkeit handeln, die leider ziemlich verbreitet zu beobachten ist, aber solche Bilder prägen Gewohnheiten in den Köpfen. Der Fachpresse kommt in dieser Hinsicht viel Verantwortung zu, erwünschte Verhaltensweisen auch durch "Vor-Bild" zu etablieren.  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jeder dritte Brustkrebs im MRT übersehen

MRT-Bilder helfen, Brustkrebs früh aufzuspüren – doch in vielen Fällen gelingt das nicht. Eine niederländische Studie ergab: Jedes dritte Karzinom ist im MRT übersehen worden. mehr »

Neun Millionen Klinik-Infektionen jährlich

15:41Infektionen in Kliniken und Pflegeheimen sind in Europa ein großes Problem. Jährlich infizieren sich dort rund neun Millionen Bürger, berichtet die EU-Seuchenbehörde. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend. mehr »

Bangen und Hoffen bei Auslands-Briten

Das Ringen um einen Brexit-Vertrag geht auf die Zielgerade. Doch für EU-Bürger auf der Insel und Auslands-Briten ist es eine Zeit des Wartens. Das macht Großbritannien für qualifizierte Fachkräfte nicht attraktiver, meine unser Blogger Arndt Striegler. mehr »