Ärzte Zeitung online, 04.01.2010

Russische Medizinmanager lernen vom deutschen Gesundheitswesen

DRESDEN (tra). Eine Delegation namhafter russischer Medizinexperten reiste Ende 2009 auf Wissenstour durch deutsche Krankenhäuser, Behörden und Einrichtungen. Die 21 Teilnehmer lernten auf ihrer Exkursion praktisch alles über die Organisation des Gesundheitssystems. Die Mediziner waren Teilnehmer des "Präsidentenprogramms" der Regierung Russlands, bei dem russische Top-Manager und deutsche Unternehmen voneinander lernen sollen.

In der privatärztlichen "Epidaurus"-Praxis in Dresden ließ sich Kardiologe Dr. Carsten Nolte über die Schulter schauen. "Die Kursteilnehmer können hier lernen, wie man sich als Praxis am Markt aufstellen kann und, wie man als Mediziner erfolgreich in einem Netzwerk arbeitet", sagte Dr. Nolte. Die Ärzte und Trainer der 2008 gegründeten "Epidaurus" haben sich präventiven, komplementärmedizinischen und gesundheitspsychologischen Angeboten in Kardiologie und Orthopädie verschrieben.

Poliklinikdirektor Lev Kudyakov aus Tomsk hakte nach, wie das mit den Netzwerken speziell bei Polikliniken funktioniere, weil er diese Struktur für sein Haus plane. Klinik-Chefarzt Igor Nabatow aus Kirov zeigte sich beeindruckt von neuen Ansätzen in der Osteopathie, die er auf jeden Fall daheim nutzen möchte. Höchstes Interesse fand ein Ultraschallgerät, dass beispielsweise Cholesterinablagerungen sofort farbig kenntlich macht.

Die Kinderärztin und Fachärztin für Nephrologie Maria Maslova aus Sankt Petersburg leitet derzeit den Aufbau einer Klinik im ehemaligen Leningrad. Bei dem Pilotprojekt geben private Investoren Geld zum Bau eines staatlichen Krankenhauses mit 500 Betten. "So ein Ultraschallgerät in Farbe werden wir kaufen", ist sie sicher. "Qualitätsmanagement in Praxen war für viele der Gäste neu und spannend", beobachtete Nolte.

Auf der vierwöchigen Weiterbildungsreise im Rahmen eines Fortbildungsprogramms des Bundeswirtschaftsministeriums besuchte die Gruppe renommierte Häuser wie die Charité Berlin, das Universitätsklinikum Dresden und das Bundesgesundheitsministerium. Außerdem knüpfen sie Kontakte zu Unternehmen mit Dienstleistungen für das Gesundheitswesen wie SAP oder Siemens. Die Dresden International University, eine Tochter der TU Dresden, hat das Programm mit der Unternehmensberatung Arge Konsortium Neue Bundesländer zusammengestellt.

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