Ärzte Zeitung online, 10.12.2009

Ausländisches Medizinstudium könnte bald problemlos anerkannt werden

BERLIN (reh). Die am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossenen Eckpunkte für eine bessere Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse (wir berichteten kurz) sind auch für Ärzte interessant. Und zwar ebenso für deutsche Mediziner, die im Ausland studiert haben wie für Ärzte, die Kollegen aus dem Ausland anstellen möchten.

Das Eckpunktepapier, das das Bildungsministerium zusammengestellt hat, umfasst insgesamt 13 Punkte. Die Kernaussage lautet dabei: Die Verfahren zur Anerkennung sollen endlich flexibler werden. Das heißt, Berufsabschlüsse und andere im Ausland erworbenen Qualifikationen sollen zumindest zum Teil anerkannt werden.

Für Ärzte dürften vor allem folgende Forderungen des Bildungsministeriums interessant sein:

  • Bei festgestellter Gleichwertigkeit von Qualifikationen soll dies künftig von der zuständigen Stelle bestätigt beziehungsweise anerkannt werden. Entsprechen die nachgewiesenen Qualifikationen nicht den inländischen Anforderungen des jeweiligen Ausbildungsgangs, sind die vorhandenen beruflichen Kompetenzen, wenigstens soweit möglich, zu bescheinigen ("Teilanerkennung").
  • Neben formalen Abschlüssen soll auch die "einschlägige Berufserfahrung" berücksichtigt werden. Das Bildungsministerium unterstreicht
    aber, dass es dabei sicherstellen werde, dass es nicht zu einer Entwertung deutscher Berufsabschlüsse kommt.
  • Angestrebt werden einfache, transparente und nutzerfreundliche Verfahren. Dies erfordere die Entwicklung einheitlicher Kriterien für Bescheide und Verfahren in Abstimmung mit den Ländern und der Wirtschaft. Die Dauer des Anerkennungsverfahrens beziehungsweise des Verfahrens zur Feststellung beruflicher Qualifikationen soll vom Vorliegen der vollständigen Antragsunterlagen bis zum Bescheid / zur Bescheinigung sechs Monate nicht übersteigen.
  • Das Ministerium will die Möglichkeiten für Ergänzungs- und Anpassungsqualifizierungen, die auch berufsbegleitend angeboten werden sollten, ausbauen.
Bisher bestehen - so das Bildungsministerium - Rechtsansprüche auf Anerkennungsverfahren oder auf die Bewertung mitgebrachter Qualifikationen nur für Spätaussiedler, Unionsbürger, Bürger aus Staaten, mit denen bilaterale Abkommen zur beruflichen Anerkennung bestehen, sowie Bürger aus Unterzeichnerstaaten der Lissabon-Konvention sowie zum Teil auch für bestimmte reglementierte oder akademische Berufsgruppen. Drittstaatsangehörige hätten bisher praktisch gar keine Möglichkeit, ihre mitgebrachten Qualifikationen anerkennen zu lassen, und auch für Unionsbürger gäbe es diese Möglichkeit in allen nicht-reglementierten Berufen bisher nicht.

Gerade auch bei der Anerkennung von medizinischen Abschlüssen gab es bislang immer wieder Schwierigkeiten. So müssen Ärzte, die ein ärztliches Basisdiplom aus einem Land außerhalb der EU, des Europäischen Wirtschaftsraumes und der Schweiz besitzen, zunächst die Erlaubnis zur Ausübung des ärztlichen Berufes bei der für ihren zukünftigen Tätigkeitsort zuständigen Gesundheitsbehörde beantragen. Dabei kommt es dann oft darauf an, ob gegenseitige Anerkennungs-Vereinbarungen mit dem jeweiligen Heimatland des Arztes bestehen oder eben nicht.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Beginnt die MS im Dünndarm?

Im Dünndarm werden wohl "Schläfer-T-Zellen" aktiviert, die eine MS triggern. Jetzt sind Forscher auf der Suche nach dem Auslöser – und haben Keime im Verdacht. mehr »

Wie die Neurologie von der Flüchtlingskrise profitiert

Migranten sind für Europa eine Herausforderung, doch sie bringen auch neue Erkenntnisse: Mediziner können durch Zuwanderer erforschen, wie Gene und Umwelt mit neurologischen Krankheiten zusammenhängen. mehr »

Hausbesuche bringen wohl mehr Honorar

Beim GKV-Spitzenverband gilt als ausgemacht, dass die Ärzte für eine Ausweitung der Mindestsprechzeiten nur sparsam honoriert werden sollen. Das Honorarsystem soll keine Gelddruckmaschine für Ärzte sein. Eine Ausnahme könnte es geben: Hausbesuche. mehr »