Ärzte Zeitung online, 04.01.2010

Ärzte sorgen bei den Freien Berufen für eine leichte Stimmungsbelebung

BERLIN (maw). Das aktuelle Stimmungsbarometer des Bundesverbands der Freien Berufe (BFB) zeigt trotz anhaltender Krise weiter nach oben. Positive Erwartungen an Umsatz und Ergebnis kämen vor allem von Seiten der Heilberufler, wie die jüngste BFB-Umfrage zur Stimmungslage unter den Mitgliedern zeigt.

BFB-Präsident Dr. Ulrich Oesingmann gibt Entwarnung bezüglich negativer Erwartungen angesichts der noch nicht überstandenen Krise: "Die Wirtschafts- und Finanzkrise wirkt sich kaum negativ auf die wirtschaftliche Lage der meisten Freien Berufe aus. Das belegen die Ergebnisse der aktuellen, halbjährlich erhobenen Stimmungsumfrage unter unseren Mitgliedern. Sie wurden erstmals auch explizit zu den Auswirkungen der Krise befragt."

Das BFB-Stimmungsbarometer zeigt aktuell einen Schulnotenwert von 3,39. Damit schätzen die rund eine Million Selbstständigen in den Freien Berufen ihre Lage laut BFB gerade noch als befriedigend ein. Es lasse sich aber eine leichte Erholung und Stabilisierung der Lage ablesen. Der Aufwärtstrend sei zwar verhalten, aber er halte an. Vor einem Jahr lag der Wert bei 3,78 und konnte sich zum Sommer mit 3,6 leicht erholen. Dieser Trend verstetigt und verstärkt sich jetzt. Die verhalten ansteigende Stimmung sei aber nur bei drei der vier Säulen der Freien Berufe abzulesen.

Zu dem verbesserten Durchschnittsergebnis habe insbesondere die Lageeinschätzung der freien Heilberufler beigetragen. Gegenüber dem Vorjahreswert von 4,2 und dem Sommerwert für ihren Bereich von 3,81 sähen diese ihre wirtschaftliche Lage jetzt zum Jahreswechsel mit 3,29 deutlich optimistischer. Der Bereich der freien Heilberufler, insbesondere innerhalb des Sektors der gesetzlichen Krankenversicherung, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht von der Krise betroffen. Ein Grund dafür sei laut BFB der Effekt, dass die Gesundheitswirtschaft in der Regel erst zeitverzögert von einer konjunkturbedingten Wirtschaftskrise getroffen werde - nämlich dann, wenn durch steigende Arbeitslosenzahlen der Druck auf die sozialen Sicherungssysteme wegen sinkender Einnahmen zunehme.

Bei den freien rechts-, steuer- und wirtschaftsberatenden Berufen habe sich der Wert von 2,8 zum Jahreswechsel 2008 auf 2009 und einem Sommerwert von 3,6 mit nunmehr 3,5 stabilisiert. Bei den freien technisch-naturwissenschaftlichen Berufen kletterte der Vorjahreswert von 4,1 via 3,55 zum Halbjahr auf nunmehr 3,4 und stabilisiert sich ebenfalls. Von den freien Kulturberufen wurde die eigene Lage vor einem Jahr mit 3,5, im Sommer mit 3,0 und nunmehr erneut mit 3,5 vermessen.

In Summe sei die Botschaft zum Jahreswechsel laut BFB-Einschätzung deutlich positiv, auch mit Blick auf die Umsatzerwartungen und das zu erwartende Geschäftsergebnis. Für 2010 rechneten die Freien Berufe größtenteils mit gleich bleibenden oder leicht steigenden Ergebnissen.

So seien auch die Signale für die rund drei Millionen Beschäftigten in den Freien Berufen verhalten positiv. In absehbarer Zeit werde es nicht zu einem massiven Beschäftigungsabbau kommen. Vielmehr rechneten die freiberuflichen Praxen, Kanzleien und Büros mehrheitlich damit, die Zahl der Beschäftigten stabil halten zu können.

Trotz dieser guten Aussichten mahnt der BFB die Bundesregierung, die Rahmenbedingungen für die Freien Berufe, die mit ihren Mitarbeitern rund zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschafteten, weiter zu optimieren. "Hierzu ist es vor allem notwendig, den Zugang zu Krediten mit Blick auf die Vergabepraxis besser zuzuschneiden. So müssen bei der Kreditvergabe an Freiberufler zukünftig verstärkt Faktoren wie Wissen, Persönlichkeitsstruktur und Marktprognose berücksichtigt werden", richtet Oesigmann seinen Appell an die schwarz-gelbe Koalition.

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