Ärzte Zeitung online, 15.01.2010

Gerichtliche Untersuchung gegen deutschen Arzt in England beginnt jetzt

LONDON (dpa). Der tödliche Behandlungsfehler eines Vertretungsarztes aus Deutschland hat nun in Großbritannien ein Nachspiel. Am Donnerstag begann im südostenglischen Wisbech eine gerichtliche Untersuchung von zwei Todesfällen. Zwei Patienten waren gestorben, nachdem der Arzt aus dem nordrhein-westfälischen Witten sie im Februar 2008 behandelt hatte.

Gerichtliche Untersuchung gegen deutschen Arzt in England beginnt jetzt

Foto: Digitalstock

Der 66-Jährige hatte einem 70 Jahre alten Patienten bei seiner Vertretungsschicht in der Grafschaft Cambridgeshire eine Überdosis Schmerzmittel gespritzt. Wenig später starb auch eine 86-jährige Engländerin, die in Behandlung des Deutschen war. Der Arzt hatte sich bei den Hinterbliebenen des 70-Jährigen schriftlich entschuldigt und seinen Fehler mit "extremem Stress" und Übermüdung begründet.

Der Arzt war im Mai vergangenen Jahres, wie berichtet, vom Amtsgericht Witten in diesem Fall wegen Fahrlässigkeit zu neun Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt worden. Nach deutschem Recht kann ein Täter auch nach Wohnort - und nicht nach Tatort - verurteilt werden. Das britische Gesundheitsministerium hatte jedoch damals moniert, dass der Mann nicht in England zur Rechenschaft gezogen wurde.

Die jetzige Untersuchung in England hat keine strafrechtlichen Konsequenzen für den Arzt, der auch nach seiner Verurteilung in Deutschland praktizierte. Es steht vor allem das System auf dem Prüfstand: Weil die meisten Arztpraxen in Großbritannien keinen eigenen Wochenend-oder Nachtdienst mehr haben, schließen Agenturen die Lücken mit Bereitschaftsärzten. Vor allem auf dem Land ist es aber schwer, dafür genug britische Ärzte zu finden. Deshalb werden Schichten zunehmend an ausländische Ärzte vergeben.

Die Partnerin des 70 Jahre alten Opfers sagte am Donnerstag, der Arzt habe "zittrig" gewirkt und wenig Englisch gesprochen. Die Anwälte der Familie erklärten, der Patient, der unter Nierenschmerzen gelitten hatte, habe eine Dosis aus der Gruppe der Morphine bekommen, die zehnmal so hoch war wie die empfohlene. Die Untersuchung soll am 4. Februar enden, der Arzt selbst wird nicht erwartet.

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