Ärzte Zeitung, 22.01.2010

Sieben Sprachen - das wird belohnt!

Die Praxis von Dr. Susanne Wig in Köln wurde von Patienten eines Gesundheitsportals zu einer der besten Hausarztpraxen Deutschlands gekürt. Wohl auch, weil Wig für ihre Patienten rund um die Uhr erreichbar ist.

Von Anne-Christin Gröger

Sieben Sprachen - das wird belohnt!

Von den 1600 Patienten, die Hausärztin Susanne Wig im Quartal betreut, haben viele einen Migrationshintergrund. © acg

KÖLN. Im Empfangszimmer der Hausarztpraxis von Dr. Susanne Wig diskutieren die Sprechstundenhelferinnen in drei verschiedenen Sprachen - die eine ruft einen Patienten auf Deutsch ins Labor, eine andere vereinbart auf Türkisch am Telefon einen Termin, die dritte erklärt einem älteren Mann auf russisch, wie viele Tabletten er wie häufig gegen den hohen Cholesterinwert einnehmen soll. Auch Wig spricht Russisch. Als es zu einer kleinen Auseinandersetzung kommt, greift sie ein und erklärt dem Mann freundlich und bestimmt, wie wichtig es ist, regelmäßig seine Medikamente zu nehmen.

Viele ältere Patienten sprechen gar kein Deutsch

Die Situation ist typisch für die Praxis am Barbarossaplatz in Köln. 30 bis 40 Prozent von Wigs Patienten haben einen Migrationshintergrund, kommen aus Ungarn, Polen, der Türkei oder Russland. Viele der Älteren können überhaupt kein Deutsch. Die Ärztin kann sich trotzdem gut um sie kümmern. Sie spricht sieben Sprachen, neben Deutsch und Russisch sind das Polnisch, Tschechisch, Ungarisch, slowakisch, englisch und ein kleines bisschen Rumänisch.

Dass Wig so viele Sprachen spricht, liegt an ihrer Biographie. Sie wurde in der damaligen Tschechoslowakei geboren, ihre Mutter war Ungarin, ihr Vater Österreicher. Zu Hause sprach sie ungarisch, in der Schule lernte sie tschechisch und russisch. Nachdem sie ihr Studium in Budapest beendet hatte, ging sie mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn nach Deutschland. "Anfangs war das eine schwere Zeit", sagt sie. "Ich sprach wenig deutsch, wir hatten kein Geld und ein Baby, und ich brauchte Arbeit." Sie hat sich durchgekämpft, an einer Sprachschule angemeldet und einen Job gefunden.

Ihre fünf Mitarbeiterinnen stehen ihr in nichts nach. Auch sie beherrschen neben dem Deutschen mindestens noch eine Sprache - sicherlich einer der Gründe, warum Wigs Patienten die Praxis auf dem Gesundheitsportal Imedo zur zweitbesten Hausarztpraxis Deutschlands wählten. Bewertungskriterien waren unter anderem Terminverfügbarkeit, Mitarbeiter, Leistungen, Praxisausstattung und Zwischenmenschliches. Gerade das Zwischenmenschliche spielt bei Susanne Wig eine große Rolle. Ihre Mitarbeiterinnen nennt sie liebevoll "meine Mädels", für die Patienten setzt sie sich mit außergewöhnlich großem Engagement ein.

Seit 1979 hat sie eine Praxis in Köln. Damals waren viele Patienten skeptisch, sich von einer Frau behandeln zu lassen. Die Praxis lief schlecht. Doch es sprach sich bald herum, dass sie auf Ungarisch, Russisch und Polnisch mit den Patienten sprechen konnte, es kamen viele Migranten zu ihr, bis heute. 1600 Patienten im Quartal hat die Praxis, davon sind die meisten Kassenpatienten. "Ich mache da keine Unterschiede zwischen kranken Menschen", sagt Wig. "Wenn sie kommen, behandle ich sie auch."

Auch Behördengänge gehören zum Praxisangebot

Der Alltag hier sieht anders aus als in der Praxis im Westerwald, in der sie bis zu ihrem Umzug nach Köln tätig war. "Ich muss hier sehr viel soziale Arbeit leisten", sagt Wig. "Für viele gebe ich neben medizinischer Hilfe auch Unterstützung in allen Lebenslagen." Vor allem die Älteren sind es, die in Deutschland nicht allein klar kommen. Sie erledigt mit ihnen Behördengänge, sucht Wohnungen, meldet die Kinder in der Schule an.

Viele Patienten haben ihre private Handynummer, auf der sie die Ärztin immer erreichen können. "Das ist manchmal auch belastend", sagt sie. "Aber ich kann einfach nicht nein sagen." Richtige Freizeit kennt sie schon seit Jahren nicht mehr. Sie ist rund um die Uhr in der Praxis oder für die Patienten auf den Beinen. Früher hat die Mutter zweier erwachsener Kinder gerne Klavier gespielt und Sport getrieben. "Inzwischen bin ich abends einfach zu müde dafür."

Doch die Patienten danken ihr das Engagement. Sie fühlen sich in ihrer Praxis gut aufgehoben und vertrauen ihr. Viele halten der Praxis seit Jahren die Treue, auch wenn sie inzwischen weggezogen sind. Über das Patientenvotum bei Imedo haben sich Wig und ihre fünf Mitarbeiterinnen sehr gefreut. "Wir haben zur Feier des Tages ein Büffet aufgebaut, als Dankeschön für das Vertrauen, das uns die Patienten entgegenbringen."

[23.01.2010, 12:37:16]
Dr. Beate Brezinski 
Sieben Sprachen - das wird belohnt - von den Krankenkassen?
Schön für die Patienten, eine allzeit bereite, universal gebildete und über die Maßen engagierte Hausärztin zu haben.
Wenn alle Hausärzte so arbeiten würden, würde die Zahl der Burn-out-Syndrome und der Erschöpfungsdepressionen rapide ansteigen. Schon jetzt gibt es unter Medizinern eine sehr hohe Anzahl an Suiziden und Suchtmittel-Abusus.
Und die Krankenkassen freuen sich über den Arbeitseinsatz bis hin zur Selbstaufgabe für ein "Vergelt´s Gott".
Nein danke - auch mein privates Leben ist lebenswert! zum Beitrag »

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