Ärzte Zeitung, 19.03.2010

Behandelt werden wie ein Privatpatient: BKK Wahltarif braucht mehr Werbung

Mit dem Wahltarif "BKK Arzt privat" soll BKKVersicherten eine Privatbehandlung offenstehen. Doch die Resonanz ist dürftig - auch bei Ärzten.

HAMBURG (di). Der nur zögerlich angenommene Wahltarif "BKK Arzt privat" soll neu beworben werden. Davon und vom Beitritt der KV Bayerns erhofft sich die Kasse neuen Schwung.

Bislang beteiligen sich außerhalb Norddeutschlands kaum Ärzte an dem 2008 gestarteten Modell. Nach Angaben des BKK-Landesverbandes Nord nehmen bundesweit 8721 Ärzte teil, davon kommen rund 80 Prozent aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Im Norden war das Modell auch gestartet.

Noch ernüchternder ist die Resonanz der Versicherten. "Derzeit nimmt insgesamt nur eine knapp dreistellige Zahl den Wahltarif in Anspruch", teilte die Kasse mit. Auch hier liegt der Schwerpunkt im Norden.

Eine Überraschung ist zögerliche Inanspruchnahme allerdings nicht. Schon zum Start vor zwei Jahren hatten die Betriebskrankenkassen unter Verweis auf die schwache Resonanz auf Kostenerstattungsmodelle keinen Ansturm erwartet. Hinzu kommt die Konkurrenz durch den PKV-Basistarif.

Mit dem Wahltarif können sich gesetzlich versicherte BKK-Patienten bei den teilnehmenden Ärzten wie berichtet wie Privatpatienten behandeln lassen. Anders als bei der Kostenerstattung müssen sie nicht die Arztrechnungen direkt bezahlen, sondern bekommen von der Kasse nur den Eigenanteil berechnet. Dieser beträgt pauschal zehn Prozent des Rechnungsbetrages, aber höchstens 200 Euro im Jahr. Die Teilnehmer binden sich mit dem Vertrag für drei Jahre, erhalten eine spezielle Versicherungskarte und müssen keine Praxisgebühr zahlen. Die teilnehmenden Ärzte verpflichten sich, ihre Leistungen nach dem 1,3-fachen GOÄ-Satz abzurechnen. Die Leistungen unterliegen keinem Budget.

Der Tarif wird bislang von 16 Betriebskrankenkassen bundesweit angeboten. Ein Dienstleister soll die Resonanz auf das Angebot erhöhen und neben den Versicherten auch noch zögernde Ärzte ansprechen. Neben Werbung ist ein Terminservice als zusätzliches Angebot geplant. Weiteren Schub erhoffen sich die Betriebskrankenkassen von der aktuellen Ausweitung des Modells auf Bayern. Damit ist der Tarif jetzt flächendeckend im Angebot.

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