Ärzte Zeitung online, 03.08.2010

IT-Studenten entwickeln Software für medizinische Versorgung in Südafrika

POTSDAM (maw). Studenten des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts für Softwaresystemtechnik (HPI) haben eine Software entwickelt, die Menschen in Entwicklungsländern unnötige Wege zum Arzt und damit verbundene Kosten ersparen soll.

Nach HPI-Angaben informiert das "Sendinel" genannte System Patienten über SMS oder einen automatischen Anruf zum Beispiel darüber, wann bestellte Arzneien verfügbar sind. Das System sei bereits in ländlichen Teilen Südafrikas getestet worden und werde auch eingesetzt.

Seit Oktober suchten die Studenten laut HPI im Rahmen ihres Bachelor-Projektes "Healthcare Education for Africa" nach Möglichkeiten, das Gesundheitswesen durch den Einsatz moderner Technologien zu optimieren. In Gesprächen vor Ort verschaffte sich das Team im März ein Bild von der Situation. Dabei erfuhren die HPI-Studenten, dass in Südafrika viele Patienten einerseits oft vergeblich zu einem Krankenhaus kommen oder andererseits ihre Termine vergessen. "Die Anreisekosten zur Klinik entsprechen nicht selten einem Tagesgehalt - darum müssen unnötige Wege vermieden werden," erläutert Philipp Giese, einer der Entwickler. Mit dem Einsatz von Sendinel werde dieses Problem gelöst, da das System die Patienten über Termine und Ereignisse informieren könne. Ein Patient müsse somit zum Beispiel nicht unnötig die Klinik aufsuchen, wenn er auf seine Laborwerte warte, sondern werd von Sendinel benachrichtigt, sobald der Befund in der Klinik vorliege.

Getestet wurde Sendinel in einem südafrikanischen Krankenhaus in der Region Mpumalanga, in der Nähe des Krüger-Nationalparks.

Im Fokus stand dabei vor allem die Anpassung der Software an die Bedürfnisse vor Ort. Dazu befragten die Studenten nach HPI-Angaben viele Patienten und Krankenhausmitarbeiter, um einen Überblick über die Nutzung von Mobiltelefonen und Computern zu bekommen. Auch die einfache Handhabung des IT-Systems sei ein wichtiger Aspekt bei der Befragung gewesen, da in der ländlichen Umgebung nur wenige Menschen Erfahrung im Umgang mit Computern vorweisen konnten.

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