Ärzte Zeitung online, 13.08.2010

Mangelnde Sensibilität: Jedes zweite Unternehmen noch ohne Pandemieplan

Mangelnde Sensibilität: Jedes zweite Unternehmen noch ohne Pandemieplan

HAMBURG (maw). Eine Analyse der Notfallplanungen in der Wirtschaft des IMWF Instituts für Management und Wirtschaftsforschung ergibt, dass ein Großteil der Unternehmen trotz der Erfahrungen mit der mehr als ein Jahr lang zur Pandemie ausgerufenen Schweinegrippe schlecht vorbereitet ist. Das gelte auch für eine möglicherweise bereits im Herbst anstehende pandemische Influenza, wie das IMWF hervorhebt. Etwa die Hälfte der Unternehmen verfüge bis heute über keinen Pandemieplan, bei den kleineren Unternehmen sogar zwei Drittel.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Schweinegrippepandemie zwar offiziell für beendet erklärt. Der Druck zu handeln bleibe jedoch trotz der glimpflich verlaufenen H1N1-Pandemie bestehen. Denn durch die anziehende Konjunktur seien die Betriebe auf die volle Arbeitsleistung ihrer Mitarbeiter angewiesen und könnten sich Fehler im präventiven Krisenmanagement nicht leisten.

Spätestens seit Ausbruch der Influenza-Pandemie im vergangenen Jahr sei die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland laut IMWF für die Risiken durch hohe Arbeitsausfälle und Umsatzeinbußen sensibilisiert. 70 Prozent der Fach- und Führungskräfte sähen Grippe, sei es im üblichen saisonalen Verlauf oder durch besonders aggressive Varianten wie die Schweinegrippe, als bedrohlichstes Krankheitsrisiko für den eigenen Betrieb an. 62 Prozent der Unternehmen hielten einen Pandemieplan daher für sinnvoll.

Trotzdem sei der Anteil der Betriebe, der bei einem erneut nahenden Ernstfall auf einen Notfallplan zugreifen kann, in den vergangenen Jahren nicht signifikant gestiegen. Noch immer verfüge die Hälfte der Betriebe über kein Konzept, was im Falle einer Pandemie zu tun ist. Fragestellungen, welche Mitarbeiter von zuhause aus weiterarbeiten können, was beim Ausfall eines Zulieferers passiert und wie die hygienischen Verhältnisse im Unternehmen optimiert werden können, blieben unbeantwortet.

Die Gründe, warum bisher kein Notfallplan erstellt wurde, sind laut der IMWF-Studie vielfältig. Jedes dritte Unternehmen halte einen Pandemieplan aufgrund der geringen Mitarbeiterzahl oder der geringen Größe für übertrieben. Dabei übersähen vor allem kleinere Unternehmen wichtige Implikationen, die auch außerhalb ihres Hauses mit einer Pandemie verbunden sind. Der Ausfall von Lieferketten und mögliche Kompensationspläne seien dabei nur der Anfang.

Zudem könnten kleinere Unternehmen das krankheitsbedingte Fehlen besonders schlecht verkraften, da es an Kollegen fehle, die die liegengebliebene Arbeit übernehmen könnten. Demnach biete ein Pandemieplan die Möglichkeit, bereits im Vorfeld Kontakte - beispielsweise zu Zeitarbeitsfirmen zu knüpfen - die den benötigten Fachkräfteeinsatz koordinieren.

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Firmen wappnen sich gegen die Schweinegrippe-Welle

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