Ärzte Zeitung, 04.10.2010

Schlagabtausch zur Aufbereitung von Einmal-Medizinprodukten

Der jüngste Bericht der EU-Kommission zu den Risiken der Aufbereitung medizinischer Einmal- Produkte lässt auch in Deutschland wieder die Debatte um die Patientensicherheit aufleben.

Von Matthias Wallenfels

Schlagabtausch zur Aufbereitung von Einmal-Medizinprodukten

Für die Aufbereitung von Medizinprodukten in der Praxis gelten spezielle Regeln.

© Miele

BERLIN. Die Aufbereitung von Einmal-Medizinprodukten ist in Europa gängige, wenn auch besonders in Deutschland eine sehr umstrittene Praxis. Denn immer wieder tauchen Fragen nach den Risiken für Patienten und Anwender auf. An vorderster Front der Wiederaufbereitungsgegner steht hierzulande der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed).

Patientenschutz soll oberste Priorität genießen

Der BVMed plädiert dafür, dass bei der Diskussion um die Aufbereitung von Medizinprodukten der Patientenschutz oberste Priorität hat. Der Interessenverband positioniert sich damit in der Debatte um den jüngsten Bericht der EU-Kommission "über die Wiederaufbereitung von Medizinprodukten in der Europäischen Union gemäß Art. 12a der Richtlinie 93/42/EWG".

Der Bericht basiert im Wesentlichen auf den Untersuchungen des Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks (SCENIHR) und zeigt wesentliche Gefahrenpotenziale bei der Aufbereitung. Etwa, dass der Aufbereitungsprozess Lücken aufweist und nicht alle Krankheitserreger beseitigt werden. Oder aber, dass durch den Prozess die Struktur und Funktionalität der Medizinprodukte beeinträchtigt wird.

Der BVMed bekommt nun allerdings Gegenwind. Und zwar von Experten aus Deutschland, die sich seit Jahren mit der Risikobewertung der Aufbereitung von Medizinprodukten befassen: der Expert Group for Safety in Medical Devices Reprocessing (smdr).

"Professionelle Anbieter beherrschen die Risiken"

Die smdr heißt zwar die zentrale Forderung der EU-Kommission nach der Verbesserung der Patientensicherheit für gut. Dennoch hält sie den Bericht nach eigener Aussage in vielen Punkten für unausgewogen. "Es ist gut und wichtig, auf die Risiken hinzuweisen, aber fairerweise müsste man auch sagen, dass professionelle Aufbereiter diese Risiken beherrschen", sagt Professor Axel Kramer, Sprecher der smdr, und Leiter des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Uniklinik Greifswald. "Das aber hat die EU-Kommission nicht getan", legt er nach. Der BVMed hebt hingegen hervor, dass die EU-Kommission in dem Bericht betont, dass die Verwendung aufbereiteter Einmalprodukte mit einem Zusatzrisiko verbunden sein könnte. Somit werde eine potenzielle Ungleichbehandlung der Patienten vermutet.

Bericht zum Download: http://ec.europa. eu/consumers/sectors/medical-devices/ files/pdfdocs/reprocessing_report_en.pdf

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