Ärzte Zeitung, 01.12.2010

In Hessen formiert sich breites Bündnis gegen die Kodierung

Kammer, KV und Verbände sind sich einig: Hier werden Praxisressourcen verschwendet.

In Hessen formiert sich breites Bündnis gegen die Kodierung

In Hessen zeichnet sich ein breites Bündnis gegen die Einführung der Ambulanten Kodierrichtlinien (AKR) ab.

© Hoffmann / imago

FRANKFURT/MAIN (ine). In Hessen zeichnet sich ein breites Bündnis gegen die Einführung der Ambulanten Kodierrichtlinien (AKR) ab. KV, Ärztekammer, Psychotherapeuten und Hausärzteverband sehen den Patientenschutz gefährdet. Und auch die Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGVP) schließt sich den Protesten an.

"AKR - Nein Danke!": So lautete die Botschaft auf einer Diskussionsrunde der KV am Montagabend in Frankfurt am Main. Die Ärztevertreter waren sich einig, dass die zusätzliche Dokumentation zu Nachteilen für Patienten und zu einem erhöhten Arbeitsaufwand in den Praxen führt.

Mindestens zehn Prozent der Arbeitszeit müssten Ärzte für die Kodierung aufbringen, sagte der Hausarzt Dr. Wolf Eckert aus Wöllstadt. Ärztekammer-Chef Dr. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach pflichtete ihm bei: "Es ist unverantwortlich, was da an Zeitressourcen verbraucht wird."

Klare Worte fand auch sein Kollege Jürgen Hardt, Präsident der Landeskammer für Psychologische Psychotherapeuten und Kinderpsychotherapeuten. Bei den neuen Richtlinien handele es sich um eine "kulturelle Pathologie". Er rief dazu auf, die Patienten in den Praxen über die AKR und die Folgen aufzuklären.

Die Weitergabe differenzierter Diagnosen an die Kassen kritisierte auch DGVP-Präsident WolframArnim Candidus. Patienten müssten über diese Datentransfers und die möglichen Folgen - etwa der Weitergabe der Diagnosen an Lebensversicherer - Bescheid wissen. Er plädierte für ein breites Bündnis, um die Einführung der Richtlinien zu verhindern.

Die KV Hessen hat in einer Resolution erneut gefordert, dass die Einführungsphase der AKR verlängert und die bestehenden handwerklichen Mängel beseitigt werden.

Erst am Montag hatte die KBV in Berlin angekündigt, dass die neuen Richtlinien für Hausarzt-Praxen nur bedingt geeignet seien (wir berichteten). Die ICD-10 sollen deshalb um einen Symptomschlüssel ergänzt werden.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »

Wird die Apple Watch zum Herzrhythmus-Monitor?

Die neue Smartwatch von Apple verfügt über einen EKG-Sensor. Über eine weitere App erkennt sie Vorhofflimmern. Wie sehen mögliche Einsatzszenarien aus? mehr »

Abtreibungsgegner darf Ärzte nicht Mörder nennen

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat einem katholischen Abtreibungsgegner Grenzen für Kritik an Ärzten aufgezeigt, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten. mehr »