Ärzte Zeitung online, 02.12.2010
 

BZÄK: Patient wird auf Auktionsportalen zur Handelsware

BERLIN (reh). Der Präsident der Bundeszahnärztekammer ist entsetzt darüber, dass der Bundesgerichtshof (BGH) Internetportale, auf denen Patienten Preisvergleiche für ärztliche und zahnärztliche Leistungen einholen können, billigt. Damit würde die medizinische Behandlung zur Handelsware.

Mit dem Urteil, das der BGH gestern fällte, erlaubt das Gericht den weiteren Betrieb der Internetplattform "2te-zahnarztmeinung.de". Und sagte ganz klar, dass Preise für Selbst- oder Zuzahler-Leistungen von Ärzten und Zahnärzten im Internet verglichen werden dürfen. Der BGH monierte auch nicht, dass Zanhärzte dem Portalbetreiber ein Honorar zahlen, wenn ein Behandlungsvertrag zustande kommt.

"Der BGH gestattet damit, medizinische Behandlungen wie Konsumprodukte versteigern zu lassen", so der Präsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Dr. Peter Engel. Behandlungskosten könnten nicht ohne eine gründliche Voruntersuchung am Patienten vorgeschlagen werden, dies verbiete die Ethik des Berufsstandes, kritisiert er in einer Pressemitteilung.

Eine Entscheidung für einen Zahnarzt hängt laut Engel zudem von wesentlich mehr Faktoren als allein dem Preis - angegeben als Auktionsangebot - ab. Der gesamte Zahn- und Mund-Zustand des Patienten sei dem mitbietenden Zahnarzt bei einem anonymen Verfahren im Internet unbekannt. Engel: "Vor allem aber verliert der Patient eine auf Kontinuität und Vertrauensverhältnis basierende, gewachsene Beziehung zu seinem Zahnarzt."

Laut Engel umreißt der Heil- und Kostenplan nur die geplante Behandlung. Mit diesen Informationen solle der Patient gemeinsam mit seinem Zahnarzt verschiedene Behandlungsalternativen abwägen und unter Berücksichtigung der daraus resultierenden Kosten die Behandlungsentscheidung treffen.

"Der schleichenden Vergewerblichung des Zahnarztberufs ist entschieden entgegen zu treten, auch wenn der BGH mit seiner aktuellen Entscheidung hierfür Vorschub leistet", so Engel.

Lesen Sie dazu auch:
Harsche Kritik an Versteigerungen von Zahnarztbehandlungen im Internet

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Kein Grund zu Internet-Panik

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