Ärzte Zeitung, 08.12.2010
 

Healthcare-Markt: Der Boom kommt noch

Auf Pharmamärkte wie Deutschland kommen zwar Rationierungen zu. Trotzdem kann die Healthcare-Branche mit Wachstum rechnen.

FRANKFURT/MAIN (shl). Gesundheitsleistungen und -güter werden in den kommenden Jahren weltweit stärker nachgefragt. Diese Entwicklung beschere der Healthcare-Branche einen enormen Wachstumsschub, von dem deutsche Unternehmen wie Bayer, Fresenius SE, Fresenius Medical Care oder Stada überproportional profitieren könnten.

Dieses Fazit zieht die Studie "German Healthcare: A changing Reality" der Frankfurter Finanzberatung Silvia Quandt Research GmbH. Ein wichtiger Grund für den Nachfrageboom in den westlichen Industriestaaten sei, dass ein größerer Anteil von Senioren in der Bevölkerung zunehmend mehr Geld für ihre Gesundheit ausgebe.

Außerdem erhielten in Schwellenländern wie China, Indien, Brasilien und Russland (BRIC-Staaten) die Menschen aufgrund wachsenden Wohlstands immer häufiger Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen nach westlichen Standards.

Darüber hinaus, so die Studienautoren, nähmen auch in diesen "aufstrebenden Gesundheitsmärkten" kardiovaskuläre Krankheiten und Diabetes zu. Die Finanzberater von Silvia Quandt Research gehen in ihrer Studie für die BRIC-Länder allein im nächsten Jahr von einem Wachstum auf den Pharmamärkten von 25 Prozent aus.

Für die Industriestaaten prognostizieren die Berater, dass die Behandlungskosten in 2010 um neun Prozent steigen. Ein ernstes Problem für die Gesundheits-Budgets sei Adipositas: Allein in den USA entstünden für die Gesellschaft dadurch Kosten von 117 Milliarden Dollar im Jahr.

Inzwischen liege der Anteil der US-Bürger mit Adipositas bei über 30 Prozent, in Deutschland bei 13 Prozent. Hinzu kämen teurere ärztliche Behandlungsverfahren wie die minimal-invasive Chirurgie.

Neben der extrem schwachen Geburtenrate in den drei größten Pharmamärkten USA, Japan und Deutschland sehen sich die hoch entwickelten Länder laut der Studie mit Rationierungen von Gesundheitsdienstleistungen konfrontiert. Die Studienautoren verweisen auch darauf, dass Kosten-Nutzen-Aspekte in der gesundheitspolitischen Diskussion häufiger eine Rolle spielen.

Ein Beispiel sei Bevacizumab (Avastin®) gegen Darmkrebs, das von der britischen Gesundheitsbehörde NICE im August dieses Jahres erneut abgelehnt worden sei.

Die Finanzanalysten der Silvia Quandt Research GmbH sehen von den deutschen Firmen auf dem Gesundheitssektor Bayer, Fresenius und Fresenius Medical Care international am besten positioniert.

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