Ärzte Zeitung, 10.01.2011

Kommentar

Nadelstiche für das Reich der Mitte

Von Matthias Wallenfels

Kritik für politische Entscheidungen ist der Führung der Volksrepublik China sicher kein Novum. Nun kommt jedoch Kritik von ungewohnter Seite - und trifft das Reich der Mitte potenziell tief ins Mark.

Ausgerechnet für den - stattgegebenen - Antrag Pekings bei der UNESCO, der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) den Status des "immateriellen Weltkulturerbes" zuzugestehen, hagelt es harsche Worte aus Deutschland.

Durch die Klassifizierung der TCM als Kultur sehen die Vertreter des Deutschen Instituts für TCM die Weiterentwicklung des Tradierten aus medizinischer Sicht in Gefahr.

Das Argument ist nicht ganz nachvollziehbar: Wieso soll die Klassifizierung der TCM als Kultur Ärzte in Deutschland daran hindern, medizinisch induzierte Fortschreibungen zu erforschen und zu etablieren?

China wird diese, den Erfolg vorausgesetzt, sicher schnell im eigenen Land adaptieren helfen. Der Vorwurf aus Deutschland, China habe vor seiner Entscheidung ausländische Akupunkteure nicht gefragt, mutet hanebüchen an.

Unstrittig wie selten kann sich das Stammland der TCM - wenn es überhaupt offiziell reagiert - darauf berufen, dass dies eine ungebetene Einmischung in innere Angelegenheiten ist.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
TCM-Ärzte empört über Akupunktur als "immaterielles Weltkulturerbe"

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