Ärzte Zeitung, 31.03.2011

Alles neu macht der April - frischer Wind für die Praxis

Die Natur putzt sich heraus. Das regt an, auch in die eigenen vier Praxiswände frischen Wind zu lassen. Doch Praxisdesign und Corporate Identity wollen wohl geplant sein - ohne Profis geht es nicht.

Von Sabine Henßen

Alles neu macht der April - frischer Wind   fürs Praxisdesign

Achtung, frisch gestrichen! Die neue Praxis-Leitfarbe Rot - und ihre Wirkung. Eine andere Farbe wäre wohl besser gewesen.

© Mone Beck

Über die Anmutung herrschten klare Vorstellungen, über die Farben weniger: Eine warme, einladende und trotzdem seriöse Atmosphäre sollte die neue HNO-Praxis von Dr. Uwe Maisa in Stuttgart ausstrahlen. "Der Inhaber suchte in unserem Ladengeschäft Stühle für sein Wartezimmer, die haben wir ihm gezeigt und kamen ins Gespräch", berichtet Michael Steck, Geschäftsführer von Fleiner Objekt + Office.

Praxiseinrichter - die Verbände der Profi-Anbieter

Gut organisiert: Wo Sie Designer, Planer oder Einrichtungsprofis finden:

Die Allianz deutscher Designer - Design Verband (AGD) ist ein Berufsverband selbstständiger Designer und bietet eine Designer-Suche nach Regionen und Fachgebieten an. Die richtige Adresse für Praxis-Logos.
www.agd.de

Der BDG Berufsverband der Kommunikationsdesigner baut seine Mitgliederdatenbank gerade neu auf. Mit dem Tool BDG Honorarrechner können Nichtmitglieder marktübliche Honorare für Kommunikationsdienstleistungen errechnen.
www.bdg-designer.de

Der Bund Deutscher Innenarchitekten (BDIA) bietet im Internet unter dem Menüpunkt "Innenarchitektensuche" an, das Fachgebiet der Mitglieder einzugrenzen, etwa Betreuungs- und Pflegebauten oder Design.
www.bdia.de

Die Architekten für Krankenhausbau und Gesundheitswesen (AKG) im Bund Deutscher Architekten helfen bei der Suche nach Spezialisten für den Innenausbau.
www.akg.de

Die Creativen Inneneinrichter sind ein Netzwerk von 50 großen Büro- und Wohndesign Häusern in Deutschland und Europa, die zumeist mit Innenarchitekten und Farbberatern zusammenarbeiten.
www.creative-inneneinrichter.de

Die Innenarchitektin des Hauses beriet den Arzt, und schnell wurde klar: Es sollte keine Praxis von der Stange werden. Zu den Stühlen kamen ein Farb- und Designkonzept hinzu. "Besteht ein gewisser Anspruch, gibt es bestimmte Vorstellungen, kommen Praxisinhaber mit dem typischen Angebot der Arztausstatter oft nicht klar.

Jedes Projekt ist eben individuell", so Steck. Sein Einrichtungshaus gehört der Vereinigung Creative Inneneinrichter an, deren Mitglieder häufig mit Innenarchitekten, Designern und Farbberatern kooperieren.

Auch die Akustik gehört mit in die Planung

Und so wurde das Designkonzept auch adäquat zum Farbkanon entwickelt, ein Kontrast geschaffen zwischen den dominanten, hellen Farben wie dem warmen Holzton des Fußbodens und Farbtönen in Schlamm und Latte macchiato.

"Wir haben hier klare Flächen und Formen. Dazu im Kontrast an anderen Stellen die Auflockerung wie die Beleuchtung mit den ,Clouds‘-Leuchten über dem Tresen", erklärt Innenarchitektin Stephanie Wilke.

Ein Wechsel von indirektem und direktem Licht sorgt für angenehme Spannung. Da riskiert man gern einen zweiten Blick. Und weil auch die Ohren von gutem Praxisdesign profitieren, mildern Paneele und Deckenverkleidungen den Schall und sorgen für angenehme Akustik.

"Dieser Faktor wird häufig bei der Gestaltung unterbewertet, ist aber für eine entspannte Atmosphäre, wo man zur Ruhe kommt, unerlässlich", erklärt Wilke.

Der Chirurg will eine Sonne über dem Empfang

Aus Blau wird Gold: "Wir entschieden uns im Zuge einer Renovierung und Erweiterung, die vorherrschenden Blautöne, die eher kühl wirkten, in ein warmes Goldocker zu ändern", sagt Dr. Christian Fitz, Chirurg und Inhaber der Atlasklinik für Ästhetisch-Plastische Chirurgie in Neuhausen.

Alles neu macht der April - frischer Wind   fürs Praxisdesign

Dr. Christian Fitz bietet in seiner Atlasklinik in Neuhausen einen sonnigen Empfang.

© Atlasklinik

"Das Design sollte besser zu unserem Fachgebiet passen. Es geht um ein sensibles Thema für die zumeist weiblichen Patienten. Sie sollen sich schon am Empfang geborgen fühlen." Wie die Visitenkarten und den Internetauftritt dominieren nun warme Gelb-, Ocker-, Braun- und Goldtöne die Räumlichkeiten.

Mit Jutta Frank beauftragte auch Fitz einen Design-Profi. Die Diplom-Ingenieurin für Architektur und Design und Farbberaterin führt ihr Büro für Raum und Farbkonzepte in Stuttgart. "Das Praxisdesign vermittelt ein erstes Erscheinungsbild der Praxis - und das zählt", erklärt Jutta Frank.

Was der Patient als Erstes im Raum wahrnehme, präge seinen Eindruck nachhaltig. Darum könne man Praxisdesign nicht nur als Raumstimmung, sondern auch als Marketinginstrument zielführend einsetzen. Würden Corporate-Identity-Farben und Materialien dezent im Raum verwendet, könne diese Gestaltung das Marketing unterstützen. "Und dabei gilt: Weniger ist mehr", so Frank.

Im Wartezimmer der Atlasklinik ist eine ockergelbe Akzentwand dominant, der dunkle Parkettboden trägt, das Weiß der Möbel tritt in den Hintergrund. "Ein weiterer wichtiger Punkt des Designkonzeptes ist: gleiche Funktion, gleiches Material.

Die horizontalen Elemente wie Fußboden und Thekenauflage sind aus dunklem Holz. Die Vertikalen, Türen etwa, wurden anders gestaltet, sonst würde man das Konzept verwässern.".

Alles neu macht der April - frischer Wind   fürs Praxisdesign

Praxis Dr. Maisa: Sparsame Einrichtung überzeugt.

© Fleiner Objekt + Office

Ein besonderes Highlight: Über dem Empfang scheint auf die Patienten bei der Anmeldung eine Sonne herab, ein goldenes Leuchtobjekt vor blauem Himmel. "Eine Idee unseres Lichtdesigners - und ein Wohlfühlort, vor allem, wenn man unter der Sonne steht und dabei in den Garten schaut", so Fitz.

Alles aus einem Guss macht unverwechselbar, doch sollte die Leitfarbe dezent eingesetzt und die Praxis auch nicht mit Logos geflutet werden. "Auch hier gilt: Zu viel ist zu viel. Zu viele unterschiedliche, kräftige Farben. Zu viele Wiederholungen.

Wie in einem Theaterstück muss es auch in der Gestaltung eine Hauptfigur und Nebendarsteller geben. Dominantfarbe, Subdominatfarben und Hintergrundfarben. Sonst wird es einfach nur bunt - zu bunt", sagt Beraterin Frank.

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