Ärzte Zeitung, 09.05.2011

Kein Kredit ohne Versicherungs-Check

Geht es um die Bonität von Ärzten, schauen Banken sehr genau hin. Dabei können ausgerechnet bestehende Versicherungen für Ärzte zur Falle werden. Denn an ihnen liest die Bank die Managementqualität des Arztes ab.

Von Michael Vetter

Kein Kredit ohne Versicherungs-Check

Ärzte sollten ihre Policen regelmäßig prüfen.

© Falko Matte / fotolia.com

DORTMUND. Was hat die Hausbank eines Arztes mit seinen Versicherungsverträgen zu tun? Sehr viel: Denn an einer unübersichtlichen Zahl und auch noch falschen Schadensdeckungssummen lesen die Bankmitarbeiter ein schlechtes Management der Praxis ab, wie ein Beispiel zeigt. Und das hat Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit.

Seit der Übernahme der Arztpraxis von seinem Vater vor sechs Jahren hat sich Roland S. an die zwei Mal im Jahr stattfindenden Gespräche mit dem für ihn zuständigen Kundenberater seiner Bank gewöhnt. Diese Gespräche, bei denen es vor allem um Einzelheiten und Verbesserungsmöglichkeiten des betrieblichen Ratings, also der Kreditwürdigkeit von S. geht, wurden von ihm selbst seinerzeit initiiert.

Er versprach sich davon nicht nur eine intensivere betriebswirtschaftliche Begleitung durch das Bankinstitut, sondern auch wertvolle Hinweise seines Kreditgebers, die ihm schrittweise eine Verbesserung des Praxisratings und damit eine Verringerung seiner Kreditkosten ermöglichten.

Die bisherigen Erfahrungen geben S. durchaus Recht, da sich der für ihn zuständige Kundenberater durchaus konstruktiv zeigt, wenn es beispielsweise um die Optimierung des betrieblichen Zahlungsverkehrs durch entsprechende Bankensoftware oder um Hinweise zur Verringerung von Privatentnahmen geht.

Warten auf den Versicherer ist die falsche Strategie

So brachte auch das letzte Gespräch für S. wertvolle Erkenntnisse, deren Umsetzung ihn möglicherweise viel Geld sparen helfen. Es geht um den Gesamtkomplex seiner betrieblichen Versicherungen, deren Umfang und Qualität nach Aussage des Bankmitarbeiters "wesentlicher Bestandteil des Praxisratings" sind.

S. hat sich mit diesem Thema in der Vergangenheit selbst so gut wie nicht beschäftigt. Mögliche Anpassungen im Versicherungsschutz erfolgen nur dann, wenn einer der Versicherer - es bestehen Verbindungen zu insgesamt vier Unternehmen - von sich aus aktiv wird und um ein Gespräch bittet.

Da S. bisher keine seiner Versicherungen, von geringen Ausnahmen einmal abgesehen, in Anspruch nehmen musste, gab es für ihn an dieser Vorgehensweise auch nichts auszusetzen. Er sah die strategische Ausrichtung seiner Praxispolicen daher zumindest bisher auch nicht als "wesentlichen Teil seiner Führungsverantwortung", wie es der Gesprächspartner seiner Hausbank formulierte.

Oft wird ein und dasselbe Risiko mehrfach abgesichert

Wesentlicher Kritikpunkt seitens der Bank war vor allem die Unübersichtlichkeit der einzelnen Verträge, verursacht durch die erwähnte Vielzahl der beteiligten Versicherungsunternehmen. Dies wiederum führte zu Versicherungsverträgen, die dasselbe Risiko mehrfach absicherten.

Außerdem stellte der Bankmitarbeiter fest, dass die abgesicherten Beträge in der seit Jahren nicht mehr geänderten Betriebsunterbrechungs-Versicherung längst nicht mehr den tatsächlichen Gegebenheiten entsprachen.

Wäre bei S. also ein Schaden entstanden, der eine vorübergehende Schließung seiner Praxis zur Folge gehabt hätte, wäre er nicht darum herum gekommen, einen Teil seiner fortlaufenden Praxiskosten, die sich während der vergangenen Jahre erhöht haben, selbst zu finanzieren.

Auch mögliche Prämienvorteile, etwa durch die Konzentration verschiedener Versicherungen auf nur ein oder zwei Unternehmen, wurden von S. nicht wahrgenommen, da eine professionelle Kostenkontrolle, auf die S. in nahezu allen Praxisbereichen sonst großen Wert legt, in Versicherungsfragen nicht stattfand.

S. hat mittlerweile die Konsequenzen aus dem Bankgespräch gezogen und das Thema "Versicherungen" zur Chefsache erklärt. Der offensichtlichen "Rüge" seiner Hausbank und der damit verbundenen Gefahr, dort seine Führungsqualitäten in Frage zu stellen, will S. kurzfristig entgegenwirken.

Als erste Maßnahme wird er eine Bestandsaufnahme seiner Versicherungen durchführen und jede einzelne Police von einem unabhängigen Versicherungsmakler prüfen lassen.

Fazit: Da neben dem reinen Finanzrating der Praxis auch das qualitative Rating mit der Beurteilung wesentlicher unternehmerischer Fähigkeiten des Arztes große Bedeutung besitzt, sollten sich Ärzte mit dessen Einzelheiten befassen und nicht ausschließlich das Finanzrating weiterentwickeln.

Denn sonst kann es bei der Beantragung von Krediten und auch den Kreditkonditionen, die die Bank bietet, für Praxisinhaber eng werden. Und dazu gehört eben auch der Umgang mit den Praxisversicherungen, wie der dargestellte Fall zeigt. Ärzte sollten daher im Rahmen ihrer Unternehmenssteuerung verbindliche Regeln etwa zur regelmäßigen Prüfung jeder einzelnen Police festlegen.

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