Ärzte Zeitung, 30.05.2011

Spezialärzte: Mehr Freiheiten bei seltenen Krankheiten

BERLIN (af). Mit der ambulanten spezialärztlichen Versorgung entsteht ein neuer Leistungssektor, der die strenge sektorale Aufteilung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung sprengt.

Er weist einige Besonderheiten auf: Für die darin tätigen niedergelassenen Ärzte soll wie in Krankenhäusern das Erlaubnisprinzip mit Verbotsvorbehalt beim Einsatz von Innovationen gelten. Abgerechnet wird nicht mit der KV, sondern direkt mit den Krankenkassen.

Den Zugang für Patienten zum neuen Sektor eröffnet die Überweisung des Vertragsarztes. Entscheidungshilfen dafür soll der GBA erarbeiten. Den Zugang für Ärzte öffnet das jeweilige Bundesland auf  Antrag. Eine Bedarfsplanung soll es für den Sektor nicht geben.

Die ambulante spezialärztliche Versorgung soll die Diagnostik und Behandlung komplexer, schwer therapierbarer Krankheiten erfassen. Grundlage ist die Liste schwerer und seltener Krankheiten des aktuellen Paragrafen 116b im fünften Sozialgesetzbuch. Neu dazu kommen mit dem Versorgungsgesetz ambulante Operationen und stationsersetzende Eingriffe.

"Je nach Krankheit" müssen Ärzte folgende Anforderungen erfüllen, wenn sie Teil des neuen Sektors werden wollen:

  • Kenntnisse, die deutlich über allgemeine Facharztqualifikationen hinausgehen
  • Vorhalten eines interdisziplinären Teams
  • Organisatorische, bauliche, apparativtechnische und hygienische Anforderungen

Die Formulierung "je nach Krankheit" soll klarstellen, dass die Anforderungen nicht immer gemeinsam erfüllt sein müssen.

Lesen Sie dazu auch:
Ärzten geht Bahrs Versorgungsgesetz nicht weit genug
Im Gesetz steckt der GBA 2.0
Bedarfsplanung: Flexibilität und Einfluss für die Länder
Honorar: Mehr Verantwortung in den Regionen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »