Ärzte Zeitung, 13.07.2011

Die Praxisalternative: Manager-Check

Gesunde Führungskräfte sind für Firmen ein wertvolles Kapital. Eine Internistin und eine Kauffrau bieten jetzt in Hamburg Gesundheits-Checks für Manager an.

Von Dirk Schnack

Die Praxisalternative: Manager-Check

(v.li.) Dr. Beke Regenbogen (Ärztliche Geschäftsleiterin) und Sabine Teufel-Sies (Kaufmännische Geschäftsleiterin) culminasceum GmbH

© Dirk Schnack

HAMBURG. Prävention für Selbstzahler ist ein hart umkämpfter Markt. In Hamburg buhlen mehrere Anbieter um Firmenkunden, die ihre leitenden Mitarbeiter regelmäßig zum Check-up schicken.

 Neu auf dem Markt ist das culminasceum, mit dem Ärztin Dr. Beke Regenbogen und ihre Geschäftsleiterin Sabine Teufel-Sies gegen etablierte Konkurrenten wie etwa das Praenobis, das Medizinische PräventionsCentrum Hamburg oder das Diagnostik Zentrum Fleetinsel antreten.

Die Angebote unterscheiden sich zwar - Unternehmen, die leitende Angestellte regelmäßig zu einer umfassenden Vorsorge schicken, sind aber bei allen gern gesehen.

Das Interesse an diesen Leistungen wächst: Unternehmensberatungen, Banken und Versicherungen wissen, dass das Geld für die Prävention gut angelegt ist. "Das muss ich keinem Personalchef vorrechnen. Wenn die Vorsorge bei nur einem leitenden Angestellten einen längeren Ausfall verhindert, hat sich die Investition schon gelohnt", sagt Kauffrau Teufel-Sies.

Zusammen mit Internistin Regenbogen hat sie Erfahrungen in der Fleetinsel gesammelt, bevor die beiden den Sprung in die Selbstständigkeit mit einer GmbH wagten. Anfang Juli haben sie das culminasceum mitten in der Hamburger City eröffnet.

Die Lage hat zwei Vorteile: Sie ist nur wenige Schritte vom Hauptbahnhof entfernt und damit gut erreichbar. Und in der direkten Umgebung befinden sich zahlreiche niedergelassene Spezialisten, mit denen sie eng kooperieren. In diesen Praxen sind ihre Patienten "VIP"-Kunden, die bei Bedarf ihren Termin sofort bekommen. Dafür zahlen die Unternehmen im culminasceum, aber auch bei der Konkurrenz, gutes Geld.

Die komplette Vorsorge kostet 1149 Euro

Für die komplette Vorsorgeuntersuchung, beim culminasceum heißt das "Start up", werden 1149 Euro fällig. Viel Geld, für das die Kunden aber nicht nur einen Rundum-Check bekommen. Es beginnt mit einer umfassenden Bestandsaufnahme des persönlichen Gesundheitsstatus.

Dazu gehören ein ausführliches Anamnesegespräch mit der Frage nach aktuellen Beschwerden, Stressbelastung, Vorerkrankungen und Familiengeschichte, Ernährungsanalyse, körperliche Untersuchung, Untersuchung des Bewegungsapparates, Bewegungsanalyse einschließlich individueller Trainingsstunde, Hautvorsorge, Blutuntersuchung, Urin- und Stuhltest, Ultraschalluntersuchungen des Herzens, der inneren Organe und der Schilddrüse, sonografische Gefäßuntersuchung der hirnversorgenden Schlagadern, Herz-Kreislauf-Untersuchung (Ruhe- und Belastungs-EKG), Lungenfunktions- und Fitnessdiagnostik.

An dieser Stelle will Internistin Regenbogen die Patienten allerdings nicht nur mit gut gemeinten Ratschlägen nach Hause entlassen, sondern sie gezielt zum Handeln anleiten. Eine Sporttherapeutin zeigt den Kunden noch während des Start-ups, wie und welches Training sie sich in ihrer individuellen Situation zumuten können und welche Bewegungsabläufe wichtig sind.

"Wer wirklich etwas verändern will, ist richtig bei uns", sagt die Internistin. Denn nach ihrer Erfahrung verpuffen die Ratschläge der Ärzte im Abschlussgespräch, wenn der Patient wieder in seinem Alltag steckt. "Nie ist die Motivation zur Veränderung der eigenen Lebensgewohnheiten so groß wie im Abschlussgespräch. Deshalb geben wir zu diesem Zeitpunkt gezielte Handlungsanweisungen", sagt Regenbogen.

Fünf bis sechs Stunden dauert die Untersuchung

Mit dem Preis für die Start up-Leistungen bewegt man sich nach Angaben der Gründerinnen im unteren Bereich des Marktes. Echte Vergleichbarkeit fällt allerdings schwer, weil die Anbieter damit werben, ihre Leistungen individuell an die Kunden anzupassen. Auch die Dauer variiert.

Beim culminasceum müssen rund fünf Stunden, bei Praenobis und in der Fleetinsel laut Homepages sechs Stunden und mehr eingeplant werden. Gemeinsam ist ihnen das Rundum-Paket ohne Wartezeiten, um den Unternehmen die gut bezahlten Führungskräfte schnell wieder zur Verfügung stellen zu können.

Begünstigt wurde die Entstehung des Marktes durch die hohe Zahl von Spezialistenpraxen in Hamburg, die mit den Anbietern der Zentren Verträge abschließen. Weil eine Anstellung solcher Spezialisten nicht möglich ist, sind die Zentren nur in Nachbarschaft zu und Kooperation mit ihnen zu betreiben.

Außer mit niedergelassenen Fachärzten arbeitet das culminasceum auch mit den beiden Kardiologen Dr. Kathrin Streiber und Dr. Dirk Krollner aus dem Albertinen-Krankenhaus eng zusammen.

Im ersten Geschäftsjahr erwarten die beiden Gründerinnen rund 500 Kunden, im zweiten 800. Trotz der großen Konkurrenz sehen sie noch Potenzial in Hamburg und im Umland.

Viele Mittelständler haben die Prävention nach ihrer Beobachtung noch nicht entdeckt. Teufel-Sies hat zudem bestimmte Branchen im Blick. Welche das sind, will sie nicht verraten - dafür ist die Konkurrenz in Hamburg zu groß.

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