Ärzte Zeitung, 18.07.2011

Software-Verband wehrt sich gegen KBV-Vorwürfe

BERLIN (reh). Der Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) e.V. weist den Vorwurf der KBV, dass der Arztsoftware-Markt versagt habe und die Hersteller der Systeme die Anforderungen der KVen nicht umsetzen würden in einer Mitteilung jetzt entschieden zurück.

Die Hersteller erfüllten seit vielen Jahren mit hohem Engagement und großer Flexibilität alle von KBV und KVen vorgegebenen Standards. Selbst, wenn diese Vorgaben häufig widersprüchlich, kurzfristig und unvollständig bereitgestellt würden, so der Verband.

Darüber hinaus seien es zumeist die Mitarbeiter der Unternehmen, "die den Ärzten anhand der IT-Funktionen neue KV-Regelungen grundsätzlich erläutern", nicht selten die Kritik an den häufig neuen bürokratischen Belastungen entgegen nähmen und somit originäre Kommunikationsaufgaben der KVen übernähmen, heißt es weiter.

KBV soll zum "konstruktiven Dialog" zurückkehren

Zudem bedauert der Verband, dass die KBV das bislang gemeinsame Bestreben, von Herstellern und KBV sowie KVen, zeitkritische Vorgaben im Interesse der niedergelassenen Ärzte und deren Fachpersonal in praxisnahe Lösungen umzusetzen, nunmehr scheinbar der Suche nach neuen, existenzsichernden KBV-Geschäftsfeldern opfere.

Die im bvitg organisierten Anbieter von IT-Lösungen fordern die KBV daher auf, wieder zu einem konstruktiven Dialog zurückzukehren.

Zuvor hatte KBV-Vorstand Dr. Carl-Heinz Müller mehr Kontrollmöglichkeiten vom Gesetzgeber gefordert. Außerdem solle die Möglichkeit gegeben werden, dass die KBV selbst Software für Vertragsärzte und -psychotherapeuten entwickeln kann. Letztere solle den Ärzten kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

Branchenvertreter hatten die Pläne kurz darauf als wenig erfolgversprechend bezeichnet. Die Pläne seien juristisch zweifelhaft, die KBV als Softwareentwickeler nicht ausreichend kompetent und die Pläne seien kaum finanzierbar, hieß es.


[24.07.2011, 11:49:38]
Dr. Bernhard Saur 
Soll die KBV endlich mal ihre eigentlichen Aufgaben erledigen
Wieder einmal treiben Mitarbeiter der KBV eine neue Sau durch das Dorf:
mit undifferenzierten Vorwürfen (Zitat: „Der Markt der Praxisverwaltungssysteme hat in bestimmten Bereichen versagt“) will sich die KBV darstellen als Retter und Heilsbringer: - dieses Mal in der Ankündigung, dass die KBV selbst eine Software zur Praxisverwaltung herstellen will. Dann folgt ein Gequaste von guten und falschen Argumenten und zuletzt der Ruf nach dem Gesetzgeber, er solle der KBV per Gesetz den Auftrag zur Software-Produktion erteilen.
Dies ist ein Eingriff in den freien Markt der Software-Entwicklung und nicht Aufgabe der KBV. Haben die Großverdiener in der KBV wirklich die Stirn zu glauben, sie könnten die Software besser stricken als das die gängigen Systemhäuser im permanenten Wettbewerb ständig tun und optimieren und Erfahrung besitzen seit Jahrzehnten. Und das alles erledigen sie, damit ihnen ihre Kunden treu bleiben. Glauben die KBVler wirklich, eine KdöR könne das besser und dazu noch „kostenlos“? Welche vermessene Arroganz steckt in diesem Ansinnen! Die Pflichtmitglieder bezahlen kollektiv und zwangsweise ein solches Unternehmen und die bisherigen PVS-Anwender (und das sind fast alle Ärzte) bezahlen dann die eigene Praxis-Software und zusätzlich die KBV-Zwangsunternehmung. Das ist gegenüber dem freien Markt der Anbieter rechtlich eine unhaltbare Zumutung und den Ärzten gegenüber eine dreiste Abzocke. Wo in aller Welt gibt es denn schon etwas Vernünftiges oder Wertvolles „umsonst“?
Wer hat denn in den letzten Jahren uns im Praxisalltag das Arbeiten über-bürokratisiert und uns das normale Arbeiten verleiten lassen mit Codierrichtlinien, Arzneimittelvorschriften und vielen anderen Bestimmungen – und das oftmals in kurzen Zeitfenstern und Fristen?: unsere angeblichen Standesvertreter waren das. Die KBV war als Verhandlungspartner immer mit am Tisch der Regierung gesessen. Warum braucht die KBV jetzt den Ruf nach dem Gesetzgeber in dieser Angelegenheit?
Zumeist ist den Software-Häusern gelungen, die vielen und zum Teil unsäglichen Vorschriften in der PVS abzubilden und uns so überhaupt erst das Weiter-Arbeiten zu ermöglichen! Allerdings stiegen durch die Vorgaben der KBV oft unsere Software-Pflegegebühren! (wir Ärzte erscheinen der KBV ja so doof und korrupt, dass wir uns ganz verleiten ließen von Pharmawerbung, trotz unterfinanzierten Medikamentenbudgets). Die KBV zertifiziert doch viele Module in unserer PVS schon seit Jahren und die Software-Häuser sind schon lange daran, mittels Schnittstellen und Datenstrukturen (z.B. xml-Daten) eine Kommunikation der Praxen untereinander zu erleichtern.
Soll die KBV endlich mal ihre eigentlichen Aufgaben erledigen und uns und unseren Berufstand anständig vertreten gegenüber den Bürokraten und Regierungen, anstatt sich in marktwirtschaftliches Verdienen zusätzlich reindrängen zu wollen. Die Situation der Ärzte-Unterversorgung, des fehlenden Praxis-Nachwuchses muss doch in erster Linie die KBV verantworten: sie hat doch in Verhandlungen die Umstände bei der Arbeit verhandelt und durchgehen lassen. (siehe auch das Interview mit Montgomery, südwestpresse Ulm 20.7.2011). Wenn hier irgendein Versagen benannt werden kann, dann sind es die Leistungen der KBV. Ich bin mir sicher, dass mehr als die Hälfte der Ärzte sich durch die KBV nicht gut vertreten sieht! Deshalb der Appell an die KBV-Verantwortlichen: Kehren Sie zurück zur Vertretung und Verhandlung für die gesamte niedergelassene Ärzteschaft und lassen Sie die Leute Software entwickeln und im freien Markt untereinander konkurrieren, dies seit Jahrzehnten davon etwas verstehen! Verdienen Sie Ihr Geld dort, wo Ihr Mandat liegt!
Dieses Ansinnen von Herrn Müller ist beispiellos und ein Musterbeispiel an inkompetentem Amtsmissbrauch. Eine KdöR will mittels zwangsweiser Planwirtschaft es besser können als der freie Markt (ELENA lässt grüßen!) Im Gegenzug wird immer wieder bekannt, wie Regierungen ihre eigenen Aufgaben „outsourcen“, weil Unternehmen und Kanzleien dies effizienter können. Dieses Ansinnen der PVS-Entwicklung durch die KBV ist nicht mehr lächerlich, sondern schädlich, weil angeblich kostenlos: für wie dumm werden die Ärzte denn gehalten bei der KBV?

Dr. med. Bernhard Saur, Crailsheim Allgemeinmedizin undPsychotherapie
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[18.07.2011, 16:48:00]
Dr. Egon Walischewski 
Praxissoftware
KBV hatte vor vielen Jahren schon einmal ein eigenes Programm, das sich aber am Markt nicht durchsetzen konnte.
Einheitssoftware kann doch nicht den Geschmack, sprich die Arbeitsweise, jeder Praxis erfüllen. Dies sieht man doch an dem Markt der Bürosoftwarehersteller. Der Vorwurf Vorschriften nicht rechtzeitig umzusetzen trifft eindeutig die KBV. Immer wieder habe ich es erlebt, dass Änderungen in letzter Minute bekannt gegeben wurden und habe die Firmen bewundert, dass sie es doch schafften, die Praxis rechtzeitig zu beliefern.
Schon wieder will man die Freiheit des Arztes beschränken und ihn in einen Anzug pressen, auch wenn er ihm nicht passt.
Das sollten wir nicht akzeptieren.
Dr.E. Walischewski

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