Ärzte Zeitung online, 11.08.2011

KBV will den Nachweis für höhere Praxiskosten

Wenn die Kosten in Vertragsarztpraxen steigen, haben Ärzte Anspruch auf höhere Honorare. Mit der Neuauflage des ZI-Praxis-Panels (ZiPP) will das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung jetzt den Nachweis für steigende Praxiskosten erbringen. Dafür müssen rund 7000 Ärzte ihre Daten offen legen.

BERLIN (ger). Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI) hat Ende Juli mit der zweiten Runde des ZI-Praxis-Panels (ZiPP) begonnen. Rund 30.000 Ärzte sind angeschrieben worden.

Sie werden gebeten, Auskunft über die Einnahmenseite, die Kosten und den Anlagebestand der Praxis im Jahr 2010 zu geben. Die Praxen haben bis zum 31. Oktober Zeit, sich zu beteiligen.

Mit dem ZiPP sollen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) wichtige Datengrundlagen für die Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen zur Verfügung gestellt werden.

Wird der Nachweis erbracht, dass Investitions- und Betriebskosten in Arztpraxen steigen, ist diese Entwicklung bei der Weiterentwicklung des Punktwerts zu berücksichtigen.

In das Panel soll 7000 Ärzten

Etwa 4700 der angeschriebenen Ärzte haben die Fragen bereits im vergangenen Jahr für die Jahre zuvor beantwortet. Insgesamt soll das ZiPP ein Panel von etwa 7000 repräsentativ ausgewählten Vertragsärzten enthalten, die über mehrere Jahre hinweg die Fragen zur Kostenstruktur und zu den Einnahmen beantworten.

"Der Vorteil einer solchen Längsschnittbeobachtung ist, dass die Entwicklung der Kosten so nachgewiesen werden kann", sagt Markus Leibner, Projektbereichsleiter beim ZI.

In den bisher üblichen Querschnittstudien mit unterschiedlichen Stichproben könne eine Kostenentwicklung methodisch nicht einwandfrei belegt werden.

EÜR - zuverlässige Datenquelle

Bei der Erhebung geht es um die aus der Einnahme-Überschuss-Rechnung (EÜR) gewonnenen Daten einer Praxis. Die EÜR liege für alle Praxen vor. Nur wenige Praxen erstellten hingegen eine betriebswirtschaftliche Bilanz, die eine genaue Abgrenzung von Aufwand und Ertrag je Kalenderjahr enthält.

Die EÜR-Daten würden in der Regel vom Steuerberater testiert und seien damit eine zuverlässige Informationsquelle. Und durch die Betrachtung über mehrere Perioden würden beispielsweise auch Rückstellungen für Risiken, die sonst nur in einer Bilanz auftauchen, letztlich erfasst.

Um die im ZiPP festgestellten Veränderungen der Kostenstrukturen auf alle Praxen hochrechnen zu können, nutzt das ZI auch die Daten der KV-Abrechnung. Außerdem kann damit der Zusammenhang zwischen Kosten und Leistungsstruktur in den Praxen belegt werden.

Rund 14 Prozent der Ärzte wollen teilnehmen

Die Daten seien allerdings über einen Treuhänder pseudonymisiert - die Mitarbeiter des ZI wissen also nicht, mit welchem Arzt sie es zu tun haben, sondern nur, mit welcher Art von Praxis.

Im vergangenen Jahr waren 32.500 Ärzte angeschrieben worden, rund 4700 davon hatten sich an ZIPP beteiligt. In diesem Jahr soll der geplante Stichprobenumfang von 7000 Ärzten erreicht werden. Die Daten der ersten Runde würden zurzeit noch ausgewertet, so Leibner.

Ärzte, die teilnehmen, erhalten eine Pauschale von 200 Euro. Sie müssen die von ihnen genannten Zahlen von ihrem Steuerberater testieren lassen, der Arbeitsaufwand für das Ausfüllen des Fragebogens liegt bei unter einer Stunde, heißt es beim ZI.

Um den Aufwand für den Steuerberater zu reduzieren, hat das ZI mit der DATEV, einem IT-Dienstleister für Steuerberater, eine Software entwickelt, mit der auf Basis einer vorliegenden EÜR der Fragebogen in wenigen Minuten ausgefüllt werden kann.

Teilnehmer am Praxis-Panel erhalten zusätzlich zur Pauschale den ZiPP-Praxisbericht, in dem die eigene Praxis im Hinblick auf wichtige Kennzahlen zur Kosten- und Leistungsstruktur sowie zum Überschuss mit einer Referenzpraxis verglichen wird.

"Die ZiPP-Teilnehmer erhalten damit Hinweise zur Weiterentwicklung ihrer Praxis", wirbt Leibner für eine rege Teilnahme angeschriebener Ärzte.

www.zi-pp.de

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