Ärzte Zeitung, 08.09.2011

Interview

"In Praxisneubauten wird immer ein barrierefreies WC gefordert"

Design, Funktionalität, Hygiene, Nachhaltigkeit: Worauf es bei der Planung des Patienten-WC wirklich ankommt, schildert Innenarchitekt Norbert Thöne aus seiner Berufspraxis.

Ärzte Zeitung: Haben Sie für die Neugestaltung der Patiententoilette konkrete Empfehlungen parat? Oder zählt hier allein der Designwunsch des Arztes?

Norbert Thöne

"In Praxisneubauten wird immer ein barrierefreies WC gefordert"

© privat

Aktuelle Position: Inhaber des Architekturbüros Innenarchitektur Thöne in Hamm. Jahrgang 1955, Spezialisierung auf Gesundheitsbau. Thöne plant seit 1982 Praxen und Ärztehäuser und kann heute auf 950 Projekte aller Größenordnungen zurückblicken.

Werdegang: Studium der Architektur an der FH Lippe-Detmold; Spezialisierung auf Innenarchitektur; 1982 Abschluss als Dipl.-Ing. Leitender Architekt für Praxisplanung der Winora-Wirtschaftsvereinigung deutscher Ärzte in Dortmund. Seit 1992 im eigenen Büro.

Dipl.-Ing. Norbert Thöne: Alle großen Sanitärhersteller bieten für den Gesundheitsbau spezielle sanitäre Einrichtungsgegenstände an, die sich aber oft am Bedarf in Krankenhäusern orientieren. Die ‚normalen‘ Patienten-WC-Anlagen können gerne designorientiert, nach den Vorstellungen des Bauherrn, ausgestattet werden.

Ärzte Zeitung: Welche Materialien setzen Sie in Sanitärräumen im Gesundheitsbau ein?

Thöne: Wichtig sind rutschhemmende Fliesen für die Fußböden. Die Rutschhemmung wird in Klassen eingeteilt, in WC-Anlagen im öffentlichen Bereich muss der Belag der Klasse R10 entsprechen. Wir bevorzugen als Bodenfliesen Feinsteinzeug, das praktisch unverwüstlich ist, weil es keine glasierten Oberflächen hat.

Feinsteinzeug hat eine sehr gute Abriebbeständigkeit und eine hohe Bruchsicherheit. Es ist in vielen attraktiven Farbstellungen und Oberflächen mit interessanten Strukturen erhältlich. Ebenfalls erhältlich sind Formteile für Sockel, so dass hier hygienisch einwandfreie Lösungen für die kritischen Übergänge zwischen Fußboden und Wandfliesen möglich sind.

Ärzte Zeitung: Stichwort Barrierefreiheit: Wie wird eine Toilette zum behindertengerechten WC?

Thöne: In behindertengerechten Toiletten sind spezifische Einbauten erforderlich, wie unterfahrbare Handwaschbecken, auch WC, die höher als üblich montiert werden und daher besser von Behinderten zu nutzen sind, zum Beispiel beim Umsetzen vom Rollstuhl aufs WC.

Zudem ist ein Notruf vorzusehen, und die Tür der Toilettenkabine muss zugleich abschließbar und im Notfall von außen zu öffnen sein. Bei Neubauten werden von den Behörden grundsätzlich barrierefreie, behindertengerechte WC gefordert - eine Praxis ist ein öffentlich zugängliches Gebäude. Daher müssen die Vorgaben der DIN 18040-1 sowie 18024-2 erfüllt werden. Das berücksichtigen wir dann auch in der Planung.

Ärzte Zeitung: Längst nicht jede Patiententoilette hat ein Fenster. Welche Lüftungssysteme kommen in Frage?

Thöne: In der Regel können WC-Anlagen über eine mechanische Abluftanlage entlüftet werden. Doch wird entlüftet, entsteht ein Unterdruck, man muss also dafür sorgen, dass Zuluft nachströmen kann. Dies kann durch einen Raumluftverbund über Lüftungsrohre erfolgen, die einen anderen Raum mit natürlicher Lüftung mit dem WC verbinden.

Oder über unterschnittene Türen - der Nachteil dieser Lösungen ist allerdings die Schallübertragung. Daher sollte mit einer Lüftungsanlage mit Zu- und Abluftleitungen geplant werden. Wenn diese zudem mit Wärmerückgewinnung arbeitet, ist sie auch unter energetischen Gesichtspunkten zu empfehlen.

Ärzte Zeitung: Geräusche sollen nicht nach außen dringen - welche Lösungen bieten sich an, das Patienten-WC zu dämmen?

Thöne: Für die Installationen gibt es entsprechende DIN- und EU-Normen, die regeln, wie Leitungen und Zapfstellen auszuführen und zu dämmen sind. Sehr wichtig ist die Vermeidung von Schallbrücken - die unerwünschte Weiterleitung von Schall - bei der Installation.

Idealerweise sollte man schon bei der Planung durch nebeneinanderliegende WC-Anlagen und gemeinsam genutzte Installationsschächte, die dann entsprechend gedämmt werden, Schwachstellen im Baubereich vermeiden. Wird der Bestand modernisiert, sollten alle Wände des Patienten-WC einen guten Schallschutz gewährleisten.

Dies können Trockenbauwände oder auch gemauerte Wände in der entsprechenden Dimensionierung sein. WC-Türen sollten ebenfalls als schalldämmende Türen ausgeführt werden. Und der Einsatz einer Be- und Entlüftungsanlage vermeidet, wie erwähnt, ebenfalls die Übertragung des Schalls.

Das Interview führte Sabine Henßen.

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