Ärzte Zeitung, 07.09.2011

Behandlungsfehlerquote bei Berlins Ärzten konstant

Die bundesweite Schlichtungsstelle bestätigte 2010 jeden vierten Vorwurf auf Behandlungsfehler gegen Berlins Ärzte.

BERLIN (ami). Knapp 1500 Beschwerden über Ärzte wegen Verletzung ihrer Berufspflichten sind im vergangenen Jahr bei der Berliner Ärztekammer eingegangen. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht der Kammer hervor. Im Vergleich zum Jahr 2009 waren das fast 200 Beschwerden weniger.

Von 2006 bis 2008 bewegte sich die Zahl jedoch auf einem ähnlichen Niveau wie 2010. "Bestimmte Trends sind nicht absehbar", so Kammersprecher Sascha Rudat zur "Ärzte Zeitung".

Kommunikation und ärztliches Verhalten am häufigsten bemängelt

Exakt ein Fünftel der Beschwerden waren Behandlungsfehlervorwürfe. Fast ebenso häufig gab es Beschwerden über Praxisorganisation und -führung.

Kommunikation und ärztliches Verhalten sowie Gutachten und Behandlungsunterlagen machten jeweils 18 Prozent der Beschwerden aus.

Beschwerden unterschiedlicher Natur

"Die Beschwerden von Patienten über eine gestörte Kommunikation mit dem Arzt oder der Ärztin sind sehr unterschiedlicher Natur, zeigen aber, welche Bedeutung dem Thema Arzt-Patienten-Kommunikation zukommt", so Rudat.

Als "sehr erfreulich" bewertete er es, dass bei den Beschwerden über mögliche Behandlungsfehler keine Zunahme zu verzeichnen sei.

17 Verfahren eingeleitet

Die Kammer hat 2010 zwölf förmliche Untersuchungsverfahren und fünf berufsgerichtliche Verfahren eingeleitet. Die Verdachtsmomente reichten von Vorteilsannahme und Zuweisung gegen Entgelt, über Abrechnungsbetrug bis hin zu schwerwiegenden Behandlungsfehlern und sexuellen Übergriffen auf Patientinnen.

Acht Missbilligungen wegen Verletzungen von Berufspflichten hat die Kammer ausgesprochen.

Fehlerquote von 27,5 Prozent

331 Vorwürfe auf Behandlungsfehler gegen Berliner Ärzte hat die bundesweite Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen in Hannover 2010 begutachtet. Sie bestätigte 91-mal einen Schadensersatzanspruch der Patienten.

Das entspricht einer Behandlungsfehlerquote von 27,5 Prozent. Die Quote pendelte auch in den Vorjahren zwischen 25 und 30 Prozent.

Kein Trend bei der Zahl der Fehlervorwürfe erkennbar

Die Zahl der Behandlungsfehlervorwürfe schwankt nach Kammerangaben dagegen derart, dass kein Trend erkennbar ist. Anlass zu den Vorwürfen gaben am häufigsten Arthrosen an Knien und Hüften, Rückenerkrankungen und Hernien.

Bei diesen Diagnosen hat die Schlichtungsstelle auch die meisten Fehler bestätigt.

In den Kliniken passierten die meisten Fehler bei Operationen, niedergelassene Ärzte machten am häufigsten Fehler bei der Diagnose, vor allem mit bildgebenden Verfahren.

Topics
Schlagworte
Praxisführung (14953)
Personen
Sascha Rudat (11)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Mehr Sicherheit vor Arzneimittel-Pfusch

Die aktuellen Arznei-Skandale haben den Gesetzgeber auf den Plan gerufen. Die Kompetenz der Bundesinstitute bei Rückrufen soll gestärkt, der Arzneimittelvertrieb sicherer werden. mehr »

Muster-Weiterbildung in trockenen Tüchern

Der Vorstand der Bundesärztekammer hat einstimmig die Gesamt-Novelle der (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) für Ärzte beschlossen und veröffentlicht. mehr »

Zehn Regeln für die Rheuma-Therapie

In der medikamentösen Behandlung von älteren Rheuma-Patienten gilt es für Ärzte, einiges zu beachten. Rheumatologen haben zehn Empfehlungen verfasst. mehr »