Ärzte Zeitung online, 16.09.2011

KV und Kommunen: Gemeinsam gegen Ärztemangel im Norden

BAD SEGEBERG (di). Die KV Schleswig-Holstein und der Schleswig-Holsteinischer Gemeindetag (SHGT) haben eine strategische Partnerschaft für den Kampf gegen den Ärztemangel vereinbart.

Die erste Forderung der Partner geht in Richtung Land - und angesichts der hohen Schulden ins Leere. KV und SHGT forderten das Land auf, künftig mehr für den Erhalt der flächendeckenden ärztlichen Versorgung zu tun.

"Während andere Bundesländer Förderprogramme in Millionenhöhe auflegen, sieht die Landesregierung ihre Rolle bisher nur als Moderator und Koordinator. Im gemeinsamen Kampf gegen den Ärztemangel ist das eindeutig zu wenig", sagten KV-Chefin Dr. Ingeborg Kreuz und SHGT-Geschäftsführer Jörg Bülow auf einer gemeinsamen Veranstaltung in Bad Segeberg vor Bürgermeistern aus dem Norden.

Zugleich zeigten sie den Kommunen, wie in Einzelfällen mit kreativen Lösungen die ärztliche Versorgung gesichert werden kann. Dazu gehört unter anderem die auf den Arztwunsch abgestimmte Praxisimmobilie zu einem günstigen Mietzins.

Ansprechpartner in den Gemeinden vorgeschlagen

Medizinstudent Malte Noack und Allgemeinmediziner Rio Morawe machten den Bürgermeistern deutlich, worauf Hausärzte und Medizinernachwuchs Wert legen. Noack wünscht sich einen Ansprechpartner in den Gemeinden, die niedergelassene Ärzte suchen.

Diese sollten gerne auch offensiv schon an die Medizinstudenten herantreten, um ihr Interesse zu unterstreichen, regte der Student aus Kiel an. Dann sollten sie schildern, was ihre Gemeinde an Vorzügen gegenüber anderen aufweist: "Was macht Ihre Gemeinde einzigartig".

Dies könnte nach Noacks Vorstellungen zum Beispiel ein Stipendium sein, mit dem eine Kommune einem niederlassungswilligen Studenten die Bücherkosten während des Studiums bezuschusst.

Mehr Druck der Kommunalpolitik auf die Bundesebene gewünscht

Der in Flintbek niedergelassene Allgemeinmediziner Rio Morawe riet den Bürgermeistern, nicht auf pauschale Empfehlungen zu warten, sondern individuelle, auf die jeweilige Situation vor Ort abgestimmte Lösungen zu schaffen.

Auf breiter Front wünscht sich Morawe mehr Druck der Kommunalpolitik auf die Bundesebene, um eine bessere Honorierung hausärztlicher Arbeit zu erreichen. "Es liegt auch am Geld", sagte Morawe mit Blick auf den ausbleibenden Nachwuchs.

Zwischen Nord- und Ostsee sind derzeit Zweidrittel der Hausärzte älter als 50 Jahre. Wenn für Veranstaltungen ein "junger Hausarzt" gesucht wird, ist Morawe gefragt - er ist 47 Jahre alt.

Lesen Sie dazu auch:
Kommunen werden für Landärzte kreativ

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